Die Religion der Parsen
Hinduismus
Hinduismus ist die Bezeichnung für den Religionskomplex, der durch die
indische Kastenordnung gegeben ist. Der Begriff Hinduismus umfaßt deshalb
sehr unterschiedliche Formen religiösen Lebens und Glaubens. Der größte Teil
ist der aus indisch-vedischer Vorzeit fortbestehende naive, polytheistische
Volksglaube der Masse. Darüber gibt es die hinduistische Universalreligion
in zwei verschiedenen Grundformen.
Auf der einen Seite existiert die unpersönliche Mystik, deren göttliches
Objekt das Brahman ist, auf der anderen Seie steht der persönliche Glaube,
in dem noch immer die altindischen Götter verehrt werden. Götter wie
Rudra-Schiwa oder Wischnu wurdeb zu Heilandgottheiten, denen sich ihre
Gläubigen zuwenden. Diese beiden Standpunke bilden verschiedene, nicht
widersprüchliche Aspekte derselben wirklichen Göttlichkeit.
Der Hinduismus selbst hat sehr viele Untergruppen mit entgegengesetzten
Praktiken (z.B. Askentum und Tantrismus), und doch wissen alle, daß sie
das gleiche Ziel anstreben, jeder auf seine Weise. Diese Einsicht ist
jedoch nicht an den Hinduismus gebunden.
Dem Hinduismus ist jeder Missionsgedanke fremd. Lediglich einige orhodoxe
Fanatiker befürchten, daß mehr Kastenlose oder Niedrigkastige zu den
kastenlosen Religionen wie Buddhismus, Islam oder Christentum konvertieren
könnten. So gab es in den letzten Jahren in Südindien verstärkt Übertritte
zu, Islam, in Nordindien zum Buddhismus.
Mohammedaner
Mohammedaner sind Anhänger Mohammeds und des Islam. Mohammedaner ist eine
Bezeichnung, die von den Moslems abgelehnt wird, denn sie denken, daß
Mohammed die islamische Religion nicht begründete sondern nur erneuerte.
Der Islam ist monotheistisch und kennt nur die absolute Ergebung (Fatalismus,
Kismet) in den Willen Allahs, der als absoluter Herrscher angesehen wird.
Besondere Kennzeichen des Islams sind z.B. die starke Vereinfachung
religiöser Fragen, so kommen z.B. besonders religiöse Menschen ins
Paradies, während die Verdammten eine schreckliche Strafe erwartet. Wer für
die Ausbreitung des Islam stirbt kommt direkt ins Paradies.
Ein weiteres Kennzeichen ist die strikte Regelung religiöser Pflichten, wie
Beten, Fasten, Almosen geben und die bekannte Wallfahrt nach Mekka. Wein und
Schweinefleisch sind verboten. Der Islam ist für die Freude am Leben, nicht
für die Askese.
Seinen heute wieder anwachsenden Erfolg verdankt der Islam seiner aller
Lebensbereiche umfassenden Pflichtenlehre.
Das heilige Buch des Islam ist der Koran, in dem Mohammeds Lehre niedergelegt
ist.
Von besonderer Wichtigkeit sind neben den zahlreichen mohammedanischen
Sekten, die sich im Laufe der Jahrhunderte gebildet haben, die
Suniten und die Schiiten.
Der Islam ging von Mekka aus aus und breitete sich von dort aus. In der Zeit der
größten Ausdehnung reichte der Einflußbereich des Islams von den Pyrenäen bis
nach Indien und China. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts setzte eine rückläufige
Bewegung ein.
Heute ist der Islam in der arabischen, afrikanischen und asiatischen Welt weit
verbreitet. Der Islam kennt keine Rassenunterschiede.
Buddhismus
Der Buddhismus ist eine von Buddha ("der Erleuchtete") gestiftete Weltreligion,
die zunächst als Mönchs- und Nonnenreligion begründet wurde, der jedoch auch
Anhänger in loser Verbindung zum Orden angehören können. Diese Laienanhänger
konnten ihren weltlichen Beruf beibehalten. Der historische Buddha stiftete
den Hinayana ("kleines Fahrzeug"), der den Urbuddhismus bildete.
Grundlage waren "die vier heiligen Wahrheiten": vom Leiden, von der Ursache des
Leidens, der Aufhebung und des Weges der zur Aufhebung des Leidens führt.
Unter "Leiden" versteht man nicht die weltlichen Leiden, sondern die Gesamtheit
des individuellen Daseins der Kreaturen, die dem immerwährenden Zyklus der
Wiedergeburt unterworfen sind. Dieser Zustand wird als religiöses Unheil
angesehen.
Das oberste Ziel des Buddhismus ist das Verlassen dieses Kreislaufes und das
Eingehen in das "absolute und bewußtlose Ruhesein", das Nirwana, aus dem man
nicht in ein individuelles Leben zurückkehren kann.
Dieser Mönschsbuddhismus herrschte in Indien etwa ein Jahrtausend, dann
wurde er vom Hinduismus abgelöst. Nur wenige Reste des Hinayana blieben
erhalten.
Ungefähr zum Begin unserer Zeitrechnung entstand im Norden Indiens ein neuer
Zweig dieser Religion, das Mahayana. Die Grundlagen blieben die gleichen, aber
in dieser neuen Form wird Buddha selbst als Gottheit verehrt, obwohl der
historische Buddha den Gottstatus ablehnte und sich nur als "Wegweiser" zum
Heil sah.
Der Mahyana breitete sich als eigentliche Weltreligion in Ostasien aus.
Die Religion der Jaina
Die Jaina sind Anhänger des Dschinismus, eines indischen Mönchsordens, der
Vardham'ana gestiftet wurde. Dieser Orden hält die Askese für den einzigen
Weg zum Heil. Besondere Bedeutung hat das Gebot des Nichttötens.
Die Religion der Sikhs
Die Sikh sind Anhänger einer Religionsgemeinschaft in Nordindien, die von
Lehren des Hinduismus und des Islam beeinflußt wurde. Sie sind gegen
Vielgötterei, Kastenwesen, Wallfahrten und für religiöse Duldsamkeit. Sie
wurden durch die Verteidigung ihres Glaubens zu einem nationalen Kriegeradel
und bilden auch heute noch den Kern der Indischen Armee.
Die Religion der Parsen
Die Parsen sind ein Bevölkerungsteil, der nicht den Islam annahm, sondern
den Feuerkult, den Parsismus, beibehielten. Parsen findet man vorwiegend
in Vorderindien. Der Parsismus ist ursprümglich eine persische Religion,
die auf Zarathustra zurückgeht. Er beeinflußte einerseits das Judentum sowie
die christliche Religion und nahm auf der anderen Seite auch christliche
oder hellenistische Elemente auf.
Grundlage der Religion ist ein doppelter Dualismus von Gut und Böse einerseits
und einer geistigen und einer körperlichen Wirklichkeit andererseits. Die
Mächte des guten Gottes Ahura Mazda und des bösen Gottes Ahriman kämpfen
gegeneinander. Die Parsen erwarten den Sieg des Guten und auf das Endgericht.
Der Mensch steht inmitten dieses Kampfes und kann Partei für einen der Götter
ergreifen.
Das Feuer ist den Parsen heilig, weshalb sie ihre Toten nicht verbrennen dürfen,
da das Feuer verunreinigt würde.
Die Anhänger des Parsismus wanderten um 750 n. Chr. auf der Flucht vor dem
Islam von Indien nach Persoen aus.
Das Zusammenleben der Religionen
Die Einsicht, daß alle verschiedene Gruppen das gleiche Ziel anstreben,
obwohl sie entgegengesetzte Praktiken haben mögen, ist nicht an den
Hinduismus gebunden.
Alle wirklich Weisen und Lehrer, mögen sie hinduistische Heilige sein,
vom Islam geprägte Sufis, Sikh-Gurus, christliche Mystiker, Buddhas, haben
die Welt gelehrt, daß die Essenz aller Religionen die gleiche ist und der
gleiche Gott nur von Menschen verschiedenen Glaubens mit verschiedenen Namen
angerufen wird. Sie haben außerdem gelehrt, daß es eine äußere Religion
gibt mit Kultbauten, Priestern usw., und eine innere Lehre, die ihren Ausdruck
in diesen äußeren Kulthandlungen findet, aber auch ganz von ihnen verdeckt
werden kann. Diese innere, esoterische Lehre muß sich jeder selbst erarbeiten,
Hilfe kann er dabei von spirituell höher entwickelten Wesen bekommen. In Indien
werden diese Weisen meist als Gurus(Lehrer) bezeichnet. Diese Lehrer können
dem einzelnen auf den rechten Weg helfen, aber endgültig erlöst werden kann man
nur durch die Gnade Gottes.
Aus dieser Aufstellung ergibt sich fast zwangsläufig die Frage: Wie leben diese
verschiedenen Glaubensrichtungen miteinander? Relativ friedlich - mit Ausnahme
der Teilung in Indien und Pakistan und der damit verbundenen größten
Flüchtlingsbewegung, die auf der Erde stattfand (12 Mio. Menschen waren davon
betroffen), bei der es zu großen Massakern vornehmlich zwischen Sikhs und
Moslems kam und deren Folgen heute noch im Punjab zu spüren sind. Auch in den
Grenzgebieten zu Bangladesh gibt es Auseinandersetzungen, wenn sich die
dort lebenden Hindus durch eindringende islamische Flüchtlinge überrollt
fühlen. Relativ friedlich also, bezogen auf unsere Geschichte der
Glaubenskriege (der Dreißigjähruge Krieg z.B. kostete einem Drittel der
Europäer das Leben!), der Kreuzzüge, dem Horror der Inquisition und der
Judenverfolgung.
In einem gewissen Grad kommt es zu einer "Indisierung" der mohammedanischen
Gesellschaft, d.h., es entstehen z.B. Klassengesellschaften oder Harems.
Auch in rein äußerlichen Dingen verbinden sich indische und islamische
Tradition, z.B. in Eßgewohnheiten.
Ansonsten ändert sich allerdings nicht viel, die Moslems werden nicht
toleranter gegenüber anderen Religionen, die Hindus verharren bei ihrem
religiösen Rigorismus.
Nach islamischer Lehre gibt es nur einen Glauben, Andersgläubige gelten
prinzipiell als Staatsfeinde. Das ist der Grund, warum Hindus eine
besondere Kopfsteuer bezahlen, sich durch ihre Kleidung von Moslems
unterscheiden müssen und sozial, religiös und wirtschaftlich diskrimiert
werden.
Das Kastenwesen
Das Kastenwesen ist in einigen Religionen Indiens sehr verbreitet. Es gibt
vier Hauptkasten und circa 2000-4000 Unterkasten. Diese Gliederung der
Gesellschaft beruht auf dem Ständesystem der alten indogermanischen
Einwanderer. Die vier Hauptkasten sind Brahmanen (Priester), Kschatriyas
(Krieger,Adel), Vaischas (Kaufleute) und Sudras (unterworfene Bauern), zu
denen auch noch die Parias (Unberührbare) kommen, die außerhalb dieses
System stehen.
Man unterscheide je nach Herkunft zwischen Stammes-, Berufs-, Sekten- oder
Nationalen Kastem. Durch Kreuzung, Beruf- oder Brauchtumsänderung oder
Wanderung entstanden neue Kasten. Anfangs war das Kastensystem flexibel
und berufsgebunden, d.h. daß man durch wechseln des Berufes auch die Kaste
wechseln konnte. Allerdings erstarrte dieses flexible System im Laufe
der Zeit und ist heute nicht mehr an den Beruf gebunden, sondern wird vererbt.
Das bedeutet, daß man die Kaste, in die man hineingeboren wird, im Laufe
seines Lebens nicht wechseln kann. Dem Glauben der Inder nach hängt es vom
jetzigen Leben ab, in welche Kaste man hineingeboren wird. Je besser
und gottgefälliger man lebt, desto höher ist die Kaste, in der man
wiedergeboren wird. Auch Moslems und Christen teilen sich in Kasten, was
die indische Entwicklung hemmte und von Ghandi energisch bekämpft wurde.
Die Unberührbarkeit zwischen den Anhängern verschiedener Kasten wurde
in der indischen Verfassung 1948 aufgehoben, aber die Menschen in Indien
halten aus religiösen und traditionellen Gründen auch heute noch dieses
System der Gesellschaftstrennung ein.
Quellen:
Das moderne Lexikon, Verlagsgruppe Bertelsmann GmbH, 1983
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Andreas (Unki)