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Religionen Indiens

von Michael Roppert


Verwendete Symbole:

Inhaltsverzeichnis
Anfang des Kapitel

Inhalt:

Die religiöse Entwicklung im indischen Raum
Die verschiedenen Glaubensrichtungen

  • Hinduismus
  • Mohammedaner und Islam
  • Buddhismus
  • Die Religion der Jaina
  • Die Religion der Sikhs
  • Die Religion der Parsen
    Das Zusammenleben der Religionen
    Das Kastenwesen

    Die religiöse Entwicklung im indischen Raum

    Die religiöse Entwicklung im indischen Raum ist durch das Nebeneinander zahlreicher Sekten und das Hervortreten von Heiligen und Mystikern gekennzeichnet, die in den Mittelpunkt ihrer Lehrer das Leitprinzip von Liebe und Demut stellen. In Indien leben laut verschiedenen Quellen, die leicht differieren, etwa 82% Hindus, 11% Mohammedaner, 2,5% Christen, 2% Sikhs, 1% Buddhisten, 0,5% Janina, etwa 200.000 Parsen und 12.000 Juden.
    Diese verschiedenen Religionen bilden den komplizierten Religionskomplex, der in Indien das Alltagsleben bestimmt. Die Komplexität dieses Systems wird am ehesten durch eine Erklärung der verschiedenen Glaubensrichtungen deutlich.

    Die verschiedenen Glaubensrichtungen


  • Hinduismus
  • Mohammedaner und Islam
  • Buddhismus
  • Die Religion der Jaina
  • Die Religion der Sikhs
  • Die Religion der Parsen

    Hinduismus

    Hinduismus ist die Bezeichnung für den Religionskomplex, der durch die indische Kastenordnung gegeben ist. Der Begriff Hinduismus umfaßt deshalb sehr unterschiedliche Formen religiösen Lebens und Glaubens. Der größte Teil ist der aus indisch-vedischer Vorzeit fortbestehende naive, polytheistische Volksglaube der Masse. Darüber gibt es die hinduistische Universalreligion in zwei verschiedenen Grundformen.
    Auf der einen Seite existiert die unpersönliche Mystik, deren göttliches Objekt das Brahman ist, auf der anderen Seie steht der persönliche Glaube, in dem noch immer die altindischen Götter verehrt werden. Götter wie Rudra-Schiwa oder Wischnu wurdeb zu Heilandgottheiten, denen sich ihre Gläubigen zuwenden. Diese beiden Standpunke bilden verschiedene, nicht widersprüchliche Aspekte derselben wirklichen Göttlichkeit.
    Der Hinduismus selbst hat sehr viele Untergruppen mit entgegengesetzten Praktiken (z.B. Askentum und Tantrismus), und doch wissen alle, daß sie das gleiche Ziel anstreben, jeder auf seine Weise. Diese Einsicht ist jedoch nicht an den Hinduismus gebunden.
    Dem Hinduismus ist jeder Missionsgedanke fremd. Lediglich einige orhodoxe Fanatiker befürchten, daß mehr Kastenlose oder Niedrigkastige zu den kastenlosen Religionen wie Buddhismus, Islam oder Christentum konvertieren könnten. So gab es in den letzten Jahren in Südindien verstärkt Übertritte zu, Islam, in Nordindien zum Buddhismus.

    Mohammedaner

    Mohammedaner sind Anhänger Mohammeds und des Islam. Mohammedaner ist eine Bezeichnung, die von den Moslems abgelehnt wird, denn sie denken, daß Mohammed die islamische Religion nicht begründete sondern nur erneuerte.
    Der Islam ist monotheistisch und kennt nur die absolute Ergebung (Fatalismus, Kismet) in den Willen Allahs, der als absoluter Herrscher angesehen wird. Besondere Kennzeichen des Islams sind z.B. die starke Vereinfachung religiöser Fragen, so kommen z.B. besonders religiöse Menschen ins Paradies, während die Verdammten eine schreckliche Strafe erwartet. Wer für die Ausbreitung des Islam stirbt kommt direkt ins Paradies.
    Ein weiteres Kennzeichen ist die strikte Regelung religiöser Pflichten, wie Beten, Fasten, Almosen geben und die bekannte Wallfahrt nach Mekka. Wein und Schweinefleisch sind verboten. Der Islam ist für die Freude am Leben, nicht für die Askese.
    Seinen heute wieder anwachsenden Erfolg verdankt der Islam seiner aller Lebensbereiche umfassenden Pflichtenlehre.
    Das heilige Buch des Islam ist der Koran, in dem Mohammeds Lehre niedergelegt ist.
    Von besonderer Wichtigkeit sind neben den zahlreichen mohammedanischen Sekten, die sich im Laufe der Jahrhunderte gebildet haben, die Suniten und die Schiiten.
    Der Islam ging von Mekka aus aus und breitete sich von dort aus. In der Zeit der größten Ausdehnung reichte der Einflußbereich des Islams von den Pyrenäen bis nach Indien und China. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts setzte eine rückläufige Bewegung ein.
    Heute ist der Islam in der arabischen, afrikanischen und asiatischen Welt weit verbreitet. Der Islam kennt keine Rassenunterschiede.

    Buddhismus

    Der Buddhismus ist eine von Buddha ("der Erleuchtete") gestiftete Weltreligion, die zunächst als Mönchs- und Nonnenreligion begründet wurde, der jedoch auch Anhänger in loser Verbindung zum Orden angehören können. Diese Laienanhänger konnten ihren weltlichen Beruf beibehalten. Der historische Buddha stiftete den Hinayana ("kleines Fahrzeug"), der den Urbuddhismus bildete. Grundlage waren "die vier heiligen Wahrheiten": vom Leiden, von der Ursache des Leidens, der Aufhebung und des Weges der zur Aufhebung des Leidens führt. Unter "Leiden" versteht man nicht die weltlichen Leiden, sondern die Gesamtheit des individuellen Daseins der Kreaturen, die dem immerwährenden Zyklus der Wiedergeburt unterworfen sind. Dieser Zustand wird als religiöses Unheil angesehen.
    Das oberste Ziel des Buddhismus ist das Verlassen dieses Kreislaufes und das Eingehen in das "absolute und bewußtlose Ruhesein", das Nirwana, aus dem man nicht in ein individuelles Leben zurückkehren kann.
    Dieser Mönschsbuddhismus herrschte in Indien etwa ein Jahrtausend, dann wurde er vom Hinduismus abgelöst. Nur wenige Reste des Hinayana blieben erhalten.
    Ungefähr zum Begin unserer Zeitrechnung entstand im Norden Indiens ein neuer Zweig dieser Religion, das Mahayana. Die Grundlagen blieben die gleichen, aber in dieser neuen Form wird Buddha selbst als Gottheit verehrt, obwohl der historische Buddha den Gottstatus ablehnte und sich nur als "Wegweiser" zum Heil sah.
    Der Mahyana breitete sich als eigentliche Weltreligion in Ostasien aus.

    Die Religion der Jaina

    Die Jaina sind Anhänger des Dschinismus, eines indischen Mönchsordens, der Vardham'ana gestiftet wurde. Dieser Orden hält die Askese für den einzigen Weg zum Heil. Besondere Bedeutung hat das Gebot des Nichttötens.

    Die Religion der Sikhs

    Die Sikh sind Anhänger einer Religionsgemeinschaft in Nordindien, die von Lehren des Hinduismus und des Islam beeinflußt wurde. Sie sind gegen Vielgötterei, Kastenwesen, Wallfahrten und für religiöse Duldsamkeit. Sie wurden durch die Verteidigung ihres Glaubens zu einem nationalen Kriegeradel und bilden auch heute noch den Kern der Indischen Armee.

    Die Religion der Parsen

    Die Parsen sind ein Bevölkerungsteil, der nicht den Islam annahm, sondern den Feuerkult, den Parsismus, beibehielten. Parsen findet man vorwiegend in Vorderindien. Der Parsismus ist ursprümglich eine persische Religion, die auf Zarathustra zurückgeht. Er beeinflußte einerseits das Judentum sowie die christliche Religion und nahm auf der anderen Seite auch christliche oder hellenistische Elemente auf.
    Grundlage der Religion ist ein doppelter Dualismus von Gut und Böse einerseits und einer geistigen und einer körperlichen Wirklichkeit andererseits. Die Mächte des guten Gottes Ahura Mazda und des bösen Gottes Ahriman kämpfen gegeneinander. Die Parsen erwarten den Sieg des Guten und auf das Endgericht. Der Mensch steht inmitten dieses Kampfes und kann Partei für einen der Götter ergreifen.
    Das Feuer ist den Parsen heilig, weshalb sie ihre Toten nicht verbrennen dürfen, da das Feuer verunreinigt würde.
    Die Anhänger des Parsismus wanderten um 750 n. Chr. auf der Flucht vor dem Islam von Indien nach Persoen aus.

    Das Zusammenleben der Religionen


    Die Einsicht, daß alle verschiedene Gruppen das gleiche Ziel anstreben, obwohl sie entgegengesetzte Praktiken haben mögen, ist nicht an den Hinduismus gebunden.
    Alle wirklich Weisen und Lehrer, mögen sie hinduistische Heilige sein, vom Islam geprägte Sufis, Sikh-Gurus, christliche Mystiker, Buddhas, haben die Welt gelehrt, daß die Essenz aller Religionen die gleiche ist und der gleiche Gott nur von Menschen verschiedenen Glaubens mit verschiedenen Namen angerufen wird. Sie haben außerdem gelehrt, daß es eine äußere Religion gibt mit Kultbauten, Priestern usw., und eine innere Lehre, die ihren Ausdruck in diesen äußeren Kulthandlungen findet, aber auch ganz von ihnen verdeckt werden kann. Diese innere, esoterische Lehre muß sich jeder selbst erarbeiten, Hilfe kann er dabei von spirituell höher entwickelten Wesen bekommen. In Indien werden diese Weisen meist als Gurus(Lehrer) bezeichnet. Diese Lehrer können dem einzelnen auf den rechten Weg helfen, aber endgültig erlöst werden kann man nur durch die Gnade Gottes.

    Aus dieser Aufstellung ergibt sich fast zwangsläufig die Frage: Wie leben diese verschiedenen Glaubensrichtungen miteinander? Relativ friedlich - mit Ausnahme der Teilung in Indien und Pakistan und der damit verbundenen größten Flüchtlingsbewegung, die auf der Erde stattfand (12 Mio. Menschen waren davon betroffen), bei der es zu großen Massakern vornehmlich zwischen Sikhs und Moslems kam und deren Folgen heute noch im Punjab zu spüren sind. Auch in den Grenzgebieten zu Bangladesh gibt es Auseinandersetzungen, wenn sich die dort lebenden Hindus durch eindringende islamische Flüchtlinge überrollt fühlen. Relativ friedlich also, bezogen auf unsere Geschichte der Glaubenskriege (der Dreißigjähruge Krieg z.B. kostete einem Drittel der Europäer das Leben!), der Kreuzzüge, dem Horror der Inquisition und der Judenverfolgung.
    In einem gewissen Grad kommt es zu einer "Indisierung" der mohammedanischen Gesellschaft, d.h., es entstehen z.B. Klassengesellschaften oder Harems. Auch in rein äußerlichen Dingen verbinden sich indische und islamische Tradition, z.B. in Eßgewohnheiten.
    Ansonsten ändert sich allerdings nicht viel, die Moslems werden nicht toleranter gegenüber anderen Religionen, die Hindus verharren bei ihrem religiösen Rigorismus.
    Nach islamischer Lehre gibt es nur einen Glauben, Andersgläubige gelten prinzipiell als Staatsfeinde. Das ist der Grund, warum Hindus eine besondere Kopfsteuer bezahlen, sich durch ihre Kleidung von Moslems unterscheiden müssen und sozial, religiös und wirtschaftlich diskrimiert werden.

    Das Kastenwesen


    Das Kastenwesen ist in einigen Religionen Indiens sehr verbreitet. Es gibt vier Hauptkasten und circa 2000-4000 Unterkasten. Diese Gliederung der Gesellschaft beruht auf dem Ständesystem der alten indogermanischen Einwanderer. Die vier Hauptkasten sind Brahmanen (Priester), Kschatriyas (Krieger,Adel), Vaischas (Kaufleute) und Sudras (unterworfene Bauern), zu denen auch noch die Parias (Unberührbare) kommen, die außerhalb dieses System stehen.
    Man unterscheide je nach Herkunft zwischen Stammes-, Berufs-, Sekten- oder Nationalen Kastem. Durch Kreuzung, Beruf- oder Brauchtumsänderung oder Wanderung entstanden neue Kasten. Anfangs war das Kastensystem flexibel und berufsgebunden, d.h. daß man durch wechseln des Berufes auch die Kaste wechseln konnte. Allerdings erstarrte dieses flexible System im Laufe der Zeit und ist heute nicht mehr an den Beruf gebunden, sondern wird vererbt. Das bedeutet, daß man die Kaste, in die man hineingeboren wird, im Laufe seines Lebens nicht wechseln kann. Dem Glauben der Inder nach hängt es vom jetzigen Leben ab, in welche Kaste man hineingeboren wird. Je besser und gottgefälliger man lebt, desto höher ist die Kaste, in der man wiedergeboren wird. Auch Moslems und Christen teilen sich in Kasten, was die indische Entwicklung hemmte und von Ghandi energisch bekämpft wurde. Die Unberührbarkeit zwischen den Anhängern verschiedener Kasten wurde in der indischen Verfassung 1948 aufgehoben, aber die Menschen in Indien halten aus religiösen und traditionellen Gründen auch heute noch dieses System der Gesellschaftstrennung ein.

    Quellen:
    Das moderne Lexikon, Verlagsgruppe Bertelsmann GmbH, 1983
    Holle Universalgeschichte


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    mit dankbaren Grüßen
    Andreas (Unki)

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