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© 2003 unki.de/Schulcd : Informatik
Wahn im Cyberspace, Krieg im Internet
oder: Gut, daß es im Fido nicht auf 2mbit Lines ankommt
1. Das Internet, wie es die meisten kennen
Die meisten Internet-Anwender begnügen sich damit, fünf oder sechs Stunden
im Internet auf WWW-Seiten nach bestimmten Themengebieten zu suchen oder
nur bei Bedarf Dateien von allgemein bekannten FTP-Servern
herunterzuziehen.
Diese Anwender sind meistens vollkommen unbehelligt davon, was sich
teilweise auf anderen Diensten des Internets abspielt, welche es, aufgrund
der fehlenden Benutzerfreundlichkeit oder durch notwendigen Einsatz von
Zusatzsoftware, nicht zu dem Ruhm wie das allseits geliebte WWW gebracht
haben.
2. Das Internet, wie es wenige kennen
Den meisten Usern ist es nicht bekannt, daß es einen Dienst mit dem Namen
IRC (Internet Relay Chat) bzw. Protokolle jenseits von TCP/IP gibt.
Das IRC ist eine Art Konferenzschaltung, in welcher mehrere Tausend User,
verteilt auf verschiedene Netze und sog. Kanäle (auch Räume) über
kanalspezifische Themen "chatten", also im Dialog lesen als auch schreiben
können.
3. Demokratie und IRC
Wer in Bezug auf IRC davon ausgeht, das Internet sei demokratisch, der hat
sich geschnitten. Im IRC werden die Kanäle von sog. Operatern bedient,
welche diese vollständig kontrollieren. Die Operator können ganz
willkürlich Benutzer aus dem Kanal entfernen und sogar verbannen. Abhängig
vom Netz wird diese Machtstellung innerhalb eines Kanals entweder von
einem extra für das Netzwerk konzipierten Kanal-Dienst (z. B. Dalnet) bzw.
von einem meist leistungsstarken sog. Bot (automatisierter IRC-User, meist
ohne direkte menschliche Kontrolle) (z. B. Undernet) bei Bedarf gehalten.
Jenseits dieser beiden genannten Möglichkeiten gibt es desweiteren auch
Netze, in denen diese Machtstellung durch keinerlei Dienste der sog. IRC
Server (Rechner, auf denen man sich "einloggen" muß, um am IRC
teilzunehmen) beibehalten werden kann (z. B. IRCNet).
4. Macht und deren Konsequenzen
Innerhalb dieser zuletzt genannten Netze geht es meist chaotisch zu. Hier
kommt es darauf an, wer die schnellste Line hat, d. h., wer den größten
Datendurchsatz haben kann. Große Kanäle werden meist, auch gegen den
Willen der sog. IRC-Operator (IRC-Server-Operator, Admins), durch Bots
gehalten, die durch Privatpersonen auf Standleitungen eingerichtet werden.
Überall dort, wo Macht zur Disposition steht, gibt es Leute, die diese
Macht erringen wollen. Überall dort, wo jemand schlecht behandelt wird
(und dies passiert sehr oft, wenn Willkür möglich ist), wird sich jemand
finden, der die Macht des anderen brechen möchte.
In unkontrollierten IRC-Netzen finden ganze Kriege um die Machtstellungen
in Kanälen statt. Dabei wird nicht mit den Mitteln gegeizt. Auf
unkontrollierten IRC-Netzen entsteht hierdurch auch eine Netzlast, die
sich definitiv auf das Internet als ganzes auswirkt.
Schon die Tatsache, sich diesem überflüssigen Wahn einer Vormachtstellung
in einer virtuellen Welt hinzugeben, erscheint sehr fragwürdig.
Meistens betreiben diese Leute diese Kämpfe mit allen denkbaren Mitteln.
5. Die Waffen für den Kampf um eine virtuelle Vormachtstellung
- a) NetSplits
Wenn ein IRC-Server die Verbindung zum Netz verliert, erfolgt ein
sog. Net-Split. Dieser ermöglicht es den Usern, in einigen Fällen,
über die gesplitteten Server einzuloggen und sich in Kanäle zu
begeben, deren Operator und Benutzer im vom Server abgesplitteten
Netz aufzufinden sind. Hierzu muß erklärt werden, daß der erste User,
der einen Kanal betritt, sofort Operator wird, soweit es sich um
ein unkontrolliertes IRC-Netzwerk handelt. Nun muß dieser User nur
noch auf den ReJoin warten, d. h., er wartet, bis sich der abge-
splittete Server wieder in das restliche IRC-Netzwerk einloggt.
In dem Falle kann der "gehackte" Operator nun warten, bis der Server
versucht, die abgesplitteten Operator wieder in den Kanal
einzugliedern, um diesen bei Rückgabe des Operatorstatus durch den
Server durch eine entsprechende Befehlskette den Operatorstatus
zu nehmen. Gelingt es dem gehackten Operator, allen andern Operatorn
den Status zu nehmen, ist nur er alleine Operator in dem Kanal und kann
über den Kanal verfügen. Heutzutage sind jedoch auch die chaotischen
Netze bereits mit sog. "Time-Stamps" versehen. Kommt es zu einem
Netsplit, so werden sowohl abgesplittete Kanäle als auch Usernames
geschützt. Dies hält aber meistens nicht lange. Ist der Split nun
langwierig, wird der Time-Stamp nach einiger Zeit aufgehoben und der
User kann sich dieser Möglichkeiten bedienen.
Innerhalb von NetSplits ist es auch möglich, sog. Nick Collides
herauszufordern. Ein Nickname im IRC ist eine Art Pseudonym eines
Benutzers. Wenn es dazu kommt, daß ein NickName zweimal vorkommt,
werden beide Benutzer aus dem IRC-Netzwerk entfernt. Wenn nun ein User
mehrere IRC-Sessions startet (sog. Clones) und diese Clones auf einem
gesplitteten Server positioniert und diesen Clones die Nicknames von
noch auf dem abgesplitteten Netz befindlichen Usern gibt, so werden
die User bei ReJoin aus dem IRC entfernt. Falls nun genau diese User
den Operatorstatus in einem Kanal hatten, wird auch dieser ihnen
genommen.
- b) Floods
Um Netzlast zu vermeiden, wird ein normaler Nutzer eines IRC-Servers
mit einer maximalen Sendesperre versehen. Kommt es nun dazu, daß ein
Benutzer in einem Zeitintervall zu viele Daten an den IRC-Server
schickt, wird der Benutzer aus dem IRC-Netzwerk entfernt (=Flood).
Dadurch, daß einige IRC-Programme für die Benutzer automatisch auf
einige bestimmte Nachrichten anderer Benutzer reagieren, haben diese
die Möglichkeit, die besagten User zu diesem Flood zu zwingen. Somit
werden sie durch einen anderen User "herausgeflooded". Professionelle
Flooder nutzen hierfür meist eine Gruppe von Clones, die, positioniert
in einem Kanal, sofort alle User dieses Kanals mit den besagten
Nachrichten versorgen und oft mehrere User gleichzeitig so aus dem IRC
entfernen.
Heutzutage haben die meisten IRC-User aber sog. Flood-
Schutzeinrichtungen. Das IRC-Programm erkennt selbstständig, ob ein
anderer User versucht, ein Flood zu erzwingen, und ignoriert dann
alle einkommenden Nachrichten dieses Users, so daß ein Flood nicht
zustandekommt.
- c) ICMP Floods, Ping Attacks
Im Internet gibt es neben Protokollen wie TCP/IP bzw. UDP/IP
desweiteren Protokolle, die den Zweck erfüllen, nur einfach
festzustellen, ob ein Benutzer mit einer bestimmten IP-Adresse
derzeit eingeloggt ist. Meist geschieht diese Kontrolle mit dem
Abschicken eines sog. Ping-Signals an die genannte IP. Die jeweilige
IP antwortet dann dem Sender des Pings mit einem sog. Pong Signal,
falls er online ist. Somit weiß der Sender, daß die jew. IP online ist.
Dieses Ping-Signal kann nun aber auch mißbraucht werden. Falls der
Sender dieser Signale eine vergleichbar schnellere Leitung als der
Empfänger hat, kann der Sender mit dem Senden vieler
Ping Signale auf einmal erreichen, daß der Empfänger aufgrund der
viel zu langsamen Leitung nicht in der Lage ist, zeitgleich mit dem
Pong Signal zu antworten. In diesem Falle wird intern im INet Dialer
jeweils dieses Signal gespeichert, um später Antwort geben zu können.
Stapelspeicherbereiche haben nun aber leider die Angewohnheit, irgend-
wann ihr Limit zu erreichen. Dies kann sogar so weit gehen, daß der
gesamte Rechner abstürzt. Wenn das passiert, wird der Empfänger der
Ping-Signale nicht nur aus dem IRC sondern auch aus dem Internet
insgesamt entfernt (für die laufende Session).
- d) IP-Spoofing
Die eben genannte Möglichkeit erlaubt einigen wenigen Usern unter
bestimmten Voraussetzungen auch eine weitere Möglichkeit, einen
IRC-Kanal zu übernehmen. Im IRC werden User meist nicht anhand
ihres Nicknames identifiziert, sondern anhand ihrer Identifikation und
ihres Hostnames (Name des Providers). Es besteht die
Möglichkeit, bei IRC-Programmen einen sog. IDENTD einzustellen. Gedacht
war diese Technik dazu, User über ihren wirklichen Namen zu
identifizieren. Dies ist jedoch niemals zuende gedacht worden, und
somit haben heutzutage nur die IRC-Programme für die User diesen Dienst
implementiert bzw. einige wenige Programme, die Ident-Spoofer genannt
werden.
IP-Spoofing setzt auf das eben genannte ICMP bzw. Ping-Flood auf.
Falls ein User es schafft, einen anderen User per Ping aus dem Internet
zu entfernen, wird die IP des gefloodeten Users nicht sofort aus dem
Routing genommen. Dies geschieht meist einige Minuten später.
Nun muß der User, der die IP spoofen (=übernehmen) will, in der Lage
sein, bei sich die IP zu konfigurieren. Dies ist meist dann nicht
möglich, wenn dem User eine sog. dynamische Adresse zugeteilt wird.
Dann sorgt der Server hierfür, daß der Anwender eine IP bekommt.
Wenn der User es schafft, die IP bei sich zu konfigurieren, kann er,
falls das Routing klappt (heutzutage meistens nicht mehr möglich),
die IP des anderen Users zu sich routen und die IP somit übernehmen.
Loggt er sich nun in das IRC ein, kann er mit dieser IP und mit dieser
Identifikation einen Kanal übernehmen, in dem die IP inkl. des
richtigen Idendt als Operator eingetragen ist.
IP-Spoofing ermöglicht noch eine Vielzahl von anderen Zugriffen.
So könnte der Spoofer theoretisch die Mails des gespooften Users
lesen/schreiben und Zugriff auf andere userspezifische Dienste nehmen.
IP-Spoofing ist eines der gewaltigsten Mittel, um Unruhe im Internet
zu stiften.
6. Was bringt das ?
Warum, fragt man sich, muß sowas sein ? Es erscheint mir als mehr oder
minder schwachsinnig, in einer virtuellen Welt Macht an sich zu reißen.
Ganz offensichtlich toben sich hier Leute aus, die keine Macht ausüben
bzw. zu kurz gekommen sind mit dem, was sich das richtige Leben nennt.
Ich stelle sogar das IRC selbst in Frage. Diese Sache kann schnell zu
einer Droge werden, von der man nicht loskommt. Jeder Mensch sollte
wissen, wie realitätsfremd er wird oder nicht. Jedoch kann man auch dies
wieder aus der Sicht sehen, wie man es will.
bis dann, ralf (127.0.0.1, wer versuchen will, mich zu spoofen :))
".. there are no friends in cyberspace"
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mit dankbaren Grüßen
Andreas (Unki)
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