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Neues Medium Mailbox
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Neues Medium MailboxComputer und Kommunikation im Unterhaltungszeitalter
Zwischenprüfungsarbeit im Fach Sozialkunde, L3
Neues Medium Mailbox. Computer vernetzt. Daten weltweit. Nahezu unbemerkt hat sich ein virtuelles Netz über den Planeten gelegt, in dem digitale Daten in Augenblicken über Kontinente huschen und die Weltmeere durchqueren. Neben der kommerziellen und staatlichen Vernetzung fand noch eine weitere statt: Die der privaten Mailboxnetze. Technische Spielerei einiger Computerfreaks, neues alternatives Informationsmedium oder gar eine digitale Demokratie? Aufgrund der weiträumigen Fragestellung bleibt manche Einzelheit schematisch und nur kurz skizziert. Wichtiger erschien jedoch, den komplexen, aus Technik und logischer Struktur bestehenden Verbund dieser Computernetze darzustellen, um Ahnungs-losigkeiten zu beseitigen und Basis für kompetente Fragen zu schaffen. Vieles, was im Zusammenhang mit der Mikroelektronik an Veränderungen hervorgerufen wird, ist flüchtig oder noch nicht ausgeprägt genug, um für den Nichtfachmann erkennbar zu sein. Dem Fachmenschen hingegen fehlen oft genug Zeit und Wille, über den Horizont seiner Arbeit hinauszublicken in gesellschaftliche Perspektiven. Die Arbeit beginnt mit einer relativ technischen Einführung in das Medium, versucht dann Inhalte und Strukturen darzustellen um schließlich den Versuch einiger soziologischer Betrachtungen zu wagen.
Eine Mailbox ist ein über das Telefonnetz erreichbarer Computer Computer arbeiten mit Strom, genauer gesagt, sie arbeiten digital, was nichts weiter meint, als daß sie nur zwei Betriebszustände kennen. Eine handelsübliche Glühbirne kennt auch nur zwei Betriebszustände, arbeitet mit Strom und speichert überdies Information: Sie ist entweder eingeschaltet (Strom an - Licht an) oder nicht (Strom aus - Licht aus). Mit dieser einfachen Methode läßt sich eine einzelne digitale Information speichern und ablesen. Diese Information könnte zum Beispiel lauten: Ich bin zu Hause (Strom an) oder ich bin unterwegs (Strom aus) oder auch etwas anderes je nach vorgenommener Definition. Auf der binären Basis der zwei Möglichkeiten lassen sich aber auch kompliziertere Informationen darstellen, wenn viele dieser digitalen Speicher (Der Fachmensch nennt sie Bits) zur Verfügung stehen. Anschauliches Beispiel ist das Morsealphabet, das mit Strich und Punkt auskommt und trotzdem Texte zu übertragen vermag. Computer arbeiten genauso, nur nutzen sie nicht Strich und Punkt als die beiden Zustände, sondern Strom oder kein Strom. Das Telefonnetz ist ausschließlich dazu geeignet, Töne zwischen zwei Endpunkten hin und her zu übertragen. Das Hineinschicken von Strom, der für den Computer verständlichen Sprache, verursacht lediglich durchgebrannte Sicherungen und verärgerte Telefonkunden, führt aber zu keiner Kommunikation. Aus diesem Grunde müssen die Informationen aus dem Computer für das Telefonnetz aufbereitet werden. Da dieses lediglich Töne zu übertragen vermag, wird aus der Information Strom oder kein Strom die Information hoher Ton und tiefer Ton. Beim Empfänger der Information werden die Töne aus dem Telefon wieder zurückübersetzt in die Stromimpulse und diese dann in den dortigen Computer eingespeist. Ein Gerät, das die Verbindung zwischen Telefonnetz und Computer herstellt, heißt Modem (MOdulator DEModulator). Jedes Modem kann prinzipiell mit jedem anderen Verbindung aufnehmen (dies funktioniert in der Praxis auch zufriedenstellend), Unterschiede gibt es in der maximalen Übertragungsgeschwindigkeit, die bei 2400bps (Bit pro Sekunde) beginnt und derzeit bis zu 19.600bps reicht. In Zukunft wird diese noch gesteigert werden. Die Modems finden beim Anruf gegenseitig heraus, welches die höchste beiderseitig verständliche Übertragungsrate ist und arbeiten mit dieser. Manche Modems können außerdem noch Faxe senden und empfangen. Das ist deshalb möglich, weil ein Fax-Gerät letztlich auch nur ein einfaches Modem in Zusammenhang mit einem Bildlesegerät (Scanner) und einem Drucker ist. Ein Mailboxbenutzer benötigt also einen Computer, Marke und Ausstattung spielen keine Rolle, einen Telefonanschluß und ein Modem, das sich dann bei Bedarf anstelle des Telefons in die sogenannte TAE-Dose der Bundespost Telecom einstecken läßt. Ein Mailboxbetreiber benötigt einen Computer mit ausreichender Speicherleistung, ein Modem und eine Telefonleitung, die ständig für den Mailboxbetrieb zur Verfügung stehen müssen. Beide, Anrufer und Betreiber, benötigen außerdem noch entsprechende Programme, die den Datenaustausch zwischen den beiden Computern benutzerfreundlich abwickeln.
Postzulassung des Modems
Die Kosten für den Mailboxbenutzer:
Die Kosten für den Mailboxbetreiber: Im Juni des Jahres 1984 programmierte der Amerikaner Tom Jennings eine Computersoftware, die es ihm ermöglichte, mit seinem Freund John Madill aus Baltimore, Tom selbst wohnte in San Francisco, über Computer und Telefon Nachrichten auszutauschen . Das Programm und das durch es entstehende Netzwerk wurden Fido genannt nach dem Hund des Programmierers. Fido rief bei John Madill an, schickte alle Nachrichten ab, die auf Tom Jennings Computer geschrieben wurden, und bekam postwendend alles neue aus Baltimore zurück. Im August des gleichen Jahres beteiligten sich bereits 30 Leute mit ihren Computern an der neuen Form des elektronischen Datenaustauschens im Fido-Netz. Ein halbes Jahr später, im Januar/Februar 1985 waren über 160 Benutzer angeschlossen , inzwischen um spannt das Fido-Netz den ganzen Globus und ist auf allen Kontinenten vertreten. Isolierte Mailboxen existierten zwar schon seit Anfang der achtziger Jahre, schon seit Beginn der für den Privatmenschen erschwinglichen Home- und Personal-Computer. Jedoch erreichten diese mangels ausreichender Speicherleistung und der fehlenden Möglichkeit, legal und preiswert ein Modem am Telefonnetz der Bundespost betreiben zu können, hierzulande keine Verbreitung. Es dürfte sich bei Fido um das erste funktionsfähige private Computernetzwerk über Telefonleitungen gehandelt haben, weitere folgten und erlebten ähnliche Zuwachsraten. In der Bundesrepublik Deutschland wurde etwa im Jahre 1987 von Wolfgang Mexner das Programm Zerberus (auch ein Hund.) entwickelt, auf dessen Basis sich das deutschsprachige Z-Netz gebildet hat (über das unter anderem auch das noch zu besprechende CL-Netz übertragen wird) . Andere Mailboxprogramme wurden zeitgleich oder später erstellt, erreichten aber bei weitem nicht die Anzahl an angeschlossenen Systemen und Benutzern. Z-Netz ist das größte deutschsprachige private Computernetzwerk, wenn man vom weltweiten Fido-Netz absieht, das sich in dichter Struktur von Amerika ausgehend auch über Deutschland gelegt hat.
Das Fido-Netz
Bei Internet handelt es sich um ein auf Standleitungen und Großrechnern basierendes
Computernetzwerk, welches von Universitäten, großen Firmen und wissenschaftlichen
Einrichtungen genutzt wird. Dieses physikalische Netz verknüpft unter dem Namen
USENET viele regionale Netzwerke zu einem weltweiten Verbund, auf dem öffentliche
und private Nachrichten ausgetauscht werden. Desweiteren können über Internet
Direktverbindungen in andere Rechner hergestellt werden.
Im weiteren Verlauf der Arbeit betrachtet werden sollen insbesondere Fido-Netz und
Z-Netz, die beiden privaten Computernetze mit der größten Verbreitung in der
Bundesrepublik Deutschland und das CL-Netz als größtes politisches Netzwerk,
welches auf der technischen Basis des Z-Netz als sogenanntes Overlay-Netz
transportiert wird.
Es klingelt auf der Telefonleitung einer Mailbox, ein Benutzer oder eine Nutzerin bittet um Verbindung. Was geschieht nun? Die Mailbox (also das Zusammenspiel von Computer, Modem und den entsprechenden Programmen), stellt die Verbindung durch das eigene Modem her; sie nimmt sozusagen den Hörer ab. Nach der Verständigungsphase der beiden Modems sendet die Mailbox ein Titelbild und verlangt eine Kennung des Anrufenden. Verlangt werden ein Benutzername und ein geheimes Paßwort, das den ja öffentlich bekannten Benutzernamen verifiziert. Gäste, also dem System nicht bekannte Personen, stellen sich im allgemeinen mit GAST oder GUEST vor und benötigen kein spezielles Paßwort. Dafür müssen sie während ihres Aufenthalts in der Mailbox auf gewisse Dienstleistungen verzichten und haben zumeist auch nur eine deutlich beschränkte Zeit zur Verfügung. In der Mailbox angekommen erwarten die Benutzerin und den Teilnehmer eine Reihe von Möglichkeiten, die sich grob unterteilen lassen:
Private Nachrichten
Öffentliche Nachrichten In all diese Bretter können die Benutzenden hineinschreiben, sofern es sich nicht um reine Lesebretter handelt und sie die Berechtigung dazu haben. Gästen wird diese aus Schutzgründen oft verwehrt, bis sie ihre Identität preisgegeben haben. Ein Brett kann außerdem moderiert werden, eine Person hat sich in diesem Falle bereit erklärt oder wurde gewählt, um für gewisse Richtlinien innerhalb des Brettes zu sorgen. Dies ist besonders im Fido-Netz anzutreffen. Im Falle des Flohmarkt-Brettes FLEA.GER (Fido-Netz) kann das so aussehen, daß lediglich Angebote und Gesuche im Brett veröffentlicht werden sollen, daß keine kommerzielle Werbung eingeleitet wird, Diskussionen in andere Bretter zu verlagern sind, etc. (Verhindern kann dies alles der Moderator jedoch nicht, er kann sich nur bei groben Verstößen an die entsprechende Mailbox wenden und um Unterlassung bitten oder sich bei den Fido- Verantwortlichen beschweren.) Bei vernetzten Mailboxen werden die öffentlichen Nachrichten ans Netz weitergeleitet und auch die private Post, sofern die Empfängerin oder der Empfänger auf einer anderen Mailbox im Netz eingetragen ist. Die in den anderen Netz-Mailboxen geschriebene Nachrichten werden im eigenen System in die entsprechenden Bretter einsortiert. Der Aufbau einer einzelnen Nachricht unterscheidet sich in den einzelnen Netzen geringfügig und ist in etwa so: Die Nachricht hat einen Nachrichtenkopf, den header, in dem Informationen darüber abgespeichert sind, wer wann wo diese Nachricht geschrieben hat, wieviel Text folgt, in welchem Brett sich die Nachricht befindet, welche Titelzeile sie trägt und einige weitere Daten. Danach folgt der Text, den der Nachrichtenschreiber bzw. die Autorin eingegeben hat und zum Schluß (außer bei Z- Netz) noch eine Auflistung aller Mailbox-Systeme, durch die diese Nachricht bereits gewandert ist. Dem Lesenden wird im allgemeinen nur der Text in der originalen Form angezeigt, der Nachrichtenkopf wird entschlüsselt und über die Nachricht gesetzt. Die Schlußinformationen über den Nachrichtenweg werden der Übersicht halber unterdrückt, können aber sichtbar gemacht werden.
Datenbanken
Software und Daten
Neben dem, natürlich heimlichen Anbieten urheberrechtsgeschützter und
raubkopierter Software und dem Vertrieb von pornographischem oder
volksverhetzendem Material birgt diese Art des Vertriebes von Software noch eine
weitere Gefahr, die des Virenverbreitens . Denn nicht nur das Empfangen ist den
Benutzern möglich, auch das Einspielen von Software in den großen Pool. Gestartet
werden mögliche Viren jedoch nicht auf der Mailbox, dort wird der Angebotsbestand ja
lediglich gelagert, sondern beim Endanwender. Allerdings durchsuchen die meisten
Mailboxen eingehende Software bereits automatisch auf Virenbefall, bevor sie zur
Weiterverbreitung weitergegeben wird. Es läßt sich bisher durchaus von einer
Überschätzung des Problems seitens der Nichtfachleute sprechen.
Das Chatten
Die Mailbox als Fax-Gerät
Und so weiter
Der Point Die einzelnen Mailboxen sind überwiegend in Mailboxnetze integriert, aus denen sie täglich große Nachrichtenmengen beziehen und innerhalb dessen ihre Benutzer von überall erreichbar sind. Die Zahlen der angeschlossenen Mailboxen sind bereits erwähnt worden, eine komplette Brettliste des politischen CL-Netz als Beispiel findet sich im Anhang. Der Netzalltag für den Mailboxbetreiber vollzieht sich derart, daß seine Mailbox innerhalb einer wurzelartig verzweigten Struktur während des Nachttarifs die Kontaktmailbox über ihm anruft. Mit dieser werden die Daten ausgetauscht. Die Nachrichten wandern so innerhalb des Netzes bis zum obersten Punkt (einer leistungs- und speicherstarken Mailbox, die als höchste Netzebene auftritt und mit den anderen großen Verteilern ihre Daten austauscht) und von dort wieder abwärts verteilt. Allerdings ist diese Struktur nicht streng durchgehalten, sondern je nach Netz mehr oder weniger chaotisch, da vielerorts die Mailboxen sich dort anschließen, wo es ihnen am günstigsten erscheint oder wo persönliche Bekanntschaften bestehen. Sollte eine Mailbox ausfallen, leitet sich der Nachrichtenstrom um, die darunter liegenden Mailboxen nehmen an anderer Stelle Kontakt zum Netz auf. Im Z-Netz ist eine Nachricht günstigstenfalls nach einem Tag im Netz verteilt, im Fido-Netz innerhalb Deutschlands ebenso. Nachrichten im Internet werden aufgrund der Standleitungsverbindungen schneller verbreitet. CL-Netz ist, wie schon erwähnt, ein Overlay-Netz, das heißt, es wird auf den bestehenden Z-Netz Mailboxen während des Z-Netz-Datenaustauschs mit übertragen, allerdings nur von den Mailboxen, die sich speziell dafür interessieren. Denn Übertragungszeit kostet Geld, insbesondere im Ferntarif. Die Benutzeradressen in den einzelnen Netzen unterscheiden sich von ihrem Aufbau, was darauf zurückzuführen ist, daß nicht rechtzeitig Standards definiert worden sind . Die Internet-Adresse: USERNAME@SITE.ZONE z.B. Goebel@hrz.uni-giessen.de Im Internet sind Namenspseudonyme zulässig. Diese Adresse gehört dem Teilnehmer oder der Benutzerin GOEBEL. Das Zeichen @ bedeutet soviel wie at oder zu deutsch bei. Der Begriff SITE steht im Internet für den Rechner, in dem GOEBEL erreichbar ist. In unserem Fall ist hrz.uni-giessen das Hochschulrechenzentrum der Uni Gießen. ZONE beschreibt eine organisatorische Einheit, die entweder ein Land (de=Deutschland) oder einen thematischen Bereich (mil=Militärnetz) umfassen kann.
Die Z-Netz-Adresse: Auch im Z-Netz sind Pseudonyme als Namensersatz erlaubt. User(in) STEPHAN ist in der Mailbox WMP (Wetzlarer Mailbox Projekt) angemeldet. Das Zeichen @ steht hier wieder für at oder bei. .ZER steht für ZERBERUS und meint, daß diese Mailbox im Z- Netz erreichbar ist.
Die Fido-Adresse: Im Fido-Netz müssen die Benutzer ihren wirklichen Namen angeben, Sonderzeichen sind nicht erlaubt, einzelne Wörter werden mit Unterstrich verbunden. Eine ZONE ist ein Teil der Welt, in etwa werden die Kontinente in Zonen eingeteilt. Europa ist ZONE 2:, Amerika ist Zone 1:. Die nächsten beiden Zahlen deuten die REGION oder das Land an, 24 steht für Deutschland. Innerhalb eines Landes können weitere Netze gebildet sein. Die 8/ symbolisiert eines der Netze innerhalb Deutschlands . Die einzelne Mailbox, in Fido Node genannt, bekommt ihrerseits eine mehrstellige Nummer, in diesem Beispiel ist es wieder das WMP, also die 164. Points bekommen im Fido-Netz eine eigene Adresse, die .1 markiert den ersten Point dieser Mailbox. Die Medienlandschaft präsentiert sich einem Bewohner der Ersten Welt am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts als eine unbewältigbare Vielfalt an übersprudelnden Informationsquellen. Regionale und überregionale Tages- und Wochenzeitungen, Zeitschriften und Magazine kämpfen um die Aufmerksamkeit von Leserin und Leser, stark bedrängt durch eine wachsende Zahl von Radiostationen und Fernsehsendern, die sich ihrerseits bis aufs Messer und dessen Darstellung im Rahmen eines Reality- TV bekämpfen. Die totale Unterhaltung.
Der deutsche Blätterwald 1993 in der Statistik
Die Deutschen Radio- und Fernsehsender 1993 Die Einflußmöglichkeiten des Verbrauchers bleiben minimal: Ab- oder Umschalten bei TV und Radio und Auswählen zwischen Druckwerken verschiedenster Couleur. Tages- und Wochenzeitungen bieten im allgemeinen die Option, Divergenzen oder Zustimmung durch Leserbrief zu äußern. Die Veröffentlichung bleibt dem Verlag vorbehalten, meist mit der herausgenommenen Freiheit eingesandte Texte zu kürzen. Bei Veröffentlichung von Falschinformationen greift das Recht auf Gegendarstellung an gleicher Stelle durch den Geschädigten oder die Leidtragende. Die Wahl des Wunschfilms oder -titels aus einer Liste von Angeboten, demokratisch geregelt über die einfache Telefonmehrheit der Anrufenden, mehr Einflußnahme lassen die elektronischen Massenmedien schon strukturell nicht zu.
Das Fernsehen, das Radio und die Zeitung sind zentrale Verteiler, die gleichzeitig
große Menschenmassen über Äther, Satellit, Kabel oder Zeitungsboten erreichen.
Jedoch ist die Verbindung einseitig, es besteht kein gleichberechtigter Kontakt zurück.
Das Programm besteht aus dem, was der Verlag und der Sender einspeist, was
wiederum aus dem besteht, was dort als sendenswert ausgewählt wurde. Im
Gegensatz dazu ist innerhalb eines Mailboxnetzes jeder Teilnehmer in der Lage, eine
gleichberechtigte Information abzusenden und über das gesamte Netz zu verbreiten.
Gleichberechtigt heißt, diese geschriebene Nachricht steht an gleicher Stelle wie die
vorherigen, sie hat das gleiche Format und sie ist, unzensiert und ungekürzt, ein
reines Produkt ihres Autors oder ihrer Verfasserin. "In den vergangenen 50 Jahren wurde in der Welt genauso viel geforscht und entdeckt, wie in den zurückliegenden 5000 Jahren, die uns schriftlich überliefert sind." Wir leben nicht nur in einem Zeitalter der Massenmedien, sondern auch in einer Zeit der Medienmassen. Kein Mensch und keine Maschine hat heutzutage mehr einen annähernden Überblick über all das, was die Menschen inzwischen wissen und was rund um den Globus herum passiert. Anzahl der wissenschaftlichen Publikationen etwa 10 im Jahre 1669 etwa 100 im Jahre 1800 etwa 10.000 im Jahre 1900 etwa 100.000 im Jahre 1970 über 200.000 im Jahre 1980
Alle Medien betrifft das Problem, wie mit den täglich anfallenden Daten umzugehen
ist. Fernseh- und Radiowellen sind lediglich im Augenblick ihres Eintreffens verfügbar,
danach machen sie den nachfolgenden Informationen Platz. Sendungen lassen sich
aber wie auch Zeitungen sammeln und archivieren. Ebenso sammeln sich Daten in
Mailboxen an, sogar relativ sauber nach Themengebieten getrennt in den einzelnen
Brettern. Mit 50 oder 100 neueintreffenden Nachrichten am Tag ist nicht nur der
Lesende überfordert sondern auch nach wenigen Wochen die Leistung des
Mailboxcomputers. Die letzten mehreren hundert Nachrichten zu einem Thema
werden üblicherweise ständig in einer Mailbox aufbewahrt, bis sie nach kurzer Zeit
neuen Daten zum Opfer fallen und einfach gelöscht werden. Einzelne sehr
idealistische Mailboxbetreiber speichern alle Nachrichten letztendlich auf
leistungsstarken Magnetbändern, die aber ohne Verwertungskonzept lediglich
überflüssige Datenfriedhöfe bleiben. Am globalen Problem der Informationsüberflutung ändert dies jedoch nichts. Dietrich Ratzke formulierte 1984 die Reaktionen darauf als Selektion in erster Instanz, zweitens als bewußtes Ausklammern von Sachgebieten, was schon zu einer Beeinträchtigung der Urteilsfähigkeit führen dürfte und als dritte Reaktion die Verweigerung der Informationsaufnahme. "Vorstellbare und in Untersuchungen teilweise bereits deutlich nachgewiesene Auswirkungen sind: Vorurteile verfestigen sich, simplifizierende Ideologien werden komplexer Betrachtungsweise vorgezogen, damit verbunden sind Irrationalisierung und Polarisierung, Verarmung der sozialen Kontakte, Verstärkung einer passiven Konsumentenhaltung." Auch in Mailboxen besteht der überwiegende Teil der Benutzer aus nurlesenden Konsumenten. Doch ein Verzicht auf weltweite Informationsmedien wäre eine Absage an unsere Gesellschaft des ausgehenden zwanzigsten Jahrhunderts. Und das Wissen, informiert zu sein über alle Weltereignisse des Tages oder zumindest die Möglichkeit dazu zu haben, ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Kultur. Einer Kultur, deren Bewohner selbst innerhalb weniger Stunden Kontinente überqueren können und deren Waffensysteme noch um einiges schneller sind. Die Tagesnachrichten aus den Medien, bei Neil Postmann das "soziale oder politische Pendant zu Prinzessin Adelheids Keuchhusten" , prägen uns und wir brauchen sie, auch wenn sie natürlich im alltäglichen Leben des Einzelnen keine Lösbarkeit erfahren können. "Diese Ablösung kultureller Identität von Staatszugehörigkeit ist das große Verdienst der Massenmedien [..]" .
Während einer Unterhaltung agieren die beteiligten und zuhörenden Personen nicht nur mit Rede und Gegenrede. Sie gestikulieren, bewegen sich und ziehen Grimassen, riechen und berühren sich, machen Geräusche und achten sehr genau auf die Reaktionen des oder der beobachteten Gegenüber. Unbewußt wird Zustimmung, Ablehnung oder Desinteresse erkannt, der Gesprächsstil angepaßt, der Rhythmus und der Dialekt der Sprache neu justiert . All dies, um die geistige Verbindung des gegenseitigen Informationsaustauschens aufrecht zu erhalten und zu optimieren. Denn wenig nutzt die ausgefeilteste Argumentation, wenn sie beim Gesprächspartner nicht verstanden wird. Lediglich in eingeschränkter Weise funktioniert dies beim Telefonieren. Hier fehlt die ganze Palette der Wahrnehmungsmöglichkeiten bis auf die akustische. Daran angepaßt beginnen sich die Gespräche zu verändern: Das bestätigende "Ja" gewinnt an immenser Bedeutung, ersetzt es doch Körperhaltung und unbewußtes wie beabsichtigtes Nicken in seiner Funktion des signalisierten Verständnisses. Lachen und allgemein Geräusche und Gesprächspausen werden intensiver und bewußter, in gewisser Weise sogar theatralisch eingesetzt . Nachrichten in Computersystemen sind Zeichenkolonnen. In ihnen enthalten ist nur die nackte Sachinformation ohne jegliche Aussage über den Ersteller oder die Autorin und ohne die wichtigen Merkmale, in welcher Weise die gemachten Aussagen zu interpretieren sind. Es fehlt das schelmische Grinsen, das Tosen brausender Entrüstung und der Klang, den ein freundschaftlich gemeinter guter Rat zu einem solchen macht. Mißverständnisse sind vorprogrammiert. Und wirklich, häufig begegnen einem Mailboxbenutzer erboste Antworten auf oberflächlich gelesene oder schlecht formulierte und (gerne auch absichtlich) falsch verstandene Nachrichten. Zu der Schwierigkeit der Leser, größere Mengen an Texten mit der gleichgroßen Aufmerksamkeit zu verarbeiten kommt bei vielen Nachrichtenerstellern das Problem der eindeutigen Ausformulierung ihres Standpunktes. Der schriftliche Mailboxverkehr erlaubt, wie gesagt, kein kurzfristiges Intervenieren in gemachte Aussagen zum Zwecke der Verdeutlichung eigener Meinung. Die geschriebene Nachricht muß von vornherein so konzipiert sein, daß sie verstanden wird und ihre eigentliche Botschaft eindeutig zutage tritt. Die durch die Verschriftlichung entstehende Konservierung der Gedanken erlaubt es dem Schreibgegenüber, gemachte Aussagen wesentlich intensiver zu überdenken und zu prüfen. Eine intakte Mailbox-Diskussion ähnelt so in ihrem Charakter mehr einer Anreihung fachlicher Essays als etwa einer Podiumsdiskussion . Doch ganz so gefühllos geht es im Netzbetrieb dank eines unter den Benutzerinnen und Teilnehmern allgemein bekannten und anerkannten Kodesystem nicht zu. Die Rede ist von den Smilies (Teilweise auch unter dem Begriff emoticon bekannt. Etwa in The New Hacker's Dictionary Seite 142f.) , die hier in einigen Beispielen aufgeführt sein sollen:
:-) Der Standard-Smiley. Er steht in einer Nachricht für ein lachendes
Gesicht.
Aussage: z.B. Dies ist nicht ernst gemeint, aber auch Das ist lustig, Ich
lache.
:-> Der sehr erfreute Smiley.
Aussage: z.B. Das ist wunderbar/klasse.
:-( Der traurige Smiley. Das Gegenstück zum ersten Smiley.
Aussage: z.B. Das ist schade/schlecht/traurig.
;-) Ein Smiley, der mit einem Auge blinzelt.
Aussage: z.B. Das ist augenzwinkernd/ironisch gemeint.
:-/ Ein unentschlossener Smiley
Aussage: z.B. Ich bin skeptisch, Naja.
:-# Ein Smiley mit einem Gitter vor dem Mund.
Aussage: z.B. zensiert.
:-o Ein Smiley mit aufgerissenem Mund.
Aussage: z.B. Ich bin überrascht, aber auch Das ist schlecht.
@>-->---- Eine Rose.
Aussage: Symbolisches Dankeschön, wie im wirklichen Leben.
etc.
Deutlicher wird die Aussagekraft dieser Sonderzeichengruppen, wenn das Blatt/der Monitor um 90 Grad nach rechts, beziehungsweise der Kopf um 90 Grad nach links gedreht wird. Es erscheint ein stilisiertes Gesicht. Zu finden sind diese Gefühlsinformanten fast in allen Nachrichten der verschiedenen Mailbox-Netze, der Smiley ist ein internationales Piktogramm in der Computer- und Mailboxszene. Es gibt neben den bekannten und eindeutigen Symbolen für Lachen, Trauer, Ärger, etc. noch lange Listen weiterer Smilies, die aber in ihrer Aussagekraft beschränkt sein dürften, da sie zu wenig geläufig und nicht eindeutig definiert oder auch einfach gebrauchsunfähig sind, etwa folgende Exemplare: 8-) User trägt eine Brille +<:-) Nachricht von einem Mönch / einer Nonne o-) User ist ein Zyklop 2B|^2B Nachricht über Shakespeare (to be or not to be. Die beiden mittleren Zeichen or und not sind logische Symbole aus Programmiersprachen). etc. Durch die Verwendung von Smilies erhält der Schreiber und die Autorin die Möglichkeit, Nachrichten, Sätzen oder einzelnen Worten gewisse emotionale Tendenzen mitzugeben, die etwa Zynismus, Sarkasmus oder Scherz verdeutlichen können. Der Informationsgehalt der Nachricht soll so um den menschlichen Charakter erweitert werden, den die Schriftsprache ignoriert , der aber scheinbar in einer intensiv geführten schriftlichen Kommunikation nicht fehlen darf. So hat sich, in Anpassung der Situation, ein neuer sprachlicher Dialekt herausgebildet, der sich weniger als Freak- oder Fachsprache, eher wie ein evolutionär gewachsener Stützpfeiler zur Optimierung andersartiger Umgangsform begreifen läßt: die Netz- Sprache. Auch in der Schriftsprache gibt es Orientierungsmarken, man denke beispielsweise an das in Anführungsstriche gesetzte Wort, das somit das Gegenteil bedeuten soll: "Nur" fünf Millionen Arbeitslose.
Zusätzlich zur um Befindlichkeiten erweiterten Netz-Sprache findet sich, wie in vielen Milieus, ein Szene-Jargon mit dem Merkmal der Unverständlichkeit für Außenstehende. Die rapide Geschwindigkeit, mit der im Bereich der Computer erforscht und entwickelt wird, sorgt für eine ständig steigende Zahl an sich ablösenden Fachbegriffen, die üblicherweise aus der englischen Sprache erzeugt oder übernommen werden und nicht selten mit Zahlenreihen und Abkürzungen versehen sind. Low-level-formatted, 486-DXII-66, SCSI-II-Controller, non interlaced SVGA, streamen. Durch die geringen Entwicklungszeiten werden Computerbenutzer innerhalb von wenigen Jahren mit einer Palette neuer Computermodelle und -zusätzen, völlig neu hinzugekommenen Techniken (z.B. CD-ROMs, Mäuse, Laserdrucker, usw.) und Anwendungsmöglichkeiten (etwa des Desktop Publishing, also des Layout am Computer) konfrontiert, während etwa die Autoindustrie beispielsweise im gleichen Zeitraum lediglich Airbag und Seitenaufprallschutz am Markt etabliert. Die Verständnisproblematik, das Computerchinesisch ist allgemein. Dazu kommt im Netzbetrieb noch die Selbstdarstellung und der Szenekult der Dfü-Freaks (Dfü = Datenfernübertragung) : Was für den Motorradfan der Easy Rider ist, der sich mit seiner Harley Davidson auf einer endlosen Wüstenstraße durch die Einsamkeit in Richtung Sonnenuntergang fortbewegt, ist für den typischen Hacker der am flimmernden Bildschirm sitzende Genius, der unerkannt auf verschlungenen Pfaden durch die Datennetze wandert, sich von keiner Zugangssperre aufhalten läßt und Großcomputer und Konzernmultis seinem Willen unterwerfen könnte mit der ihm zur Verfügung stehenden Intelligenz. Kurz, ein Robin Hood im Datennetz, wie er mustergültig in dem amerikanischen Kinofilm War Games zu sehen war. Die Mythologie der Hacker-Kultur geht zurück auf eine Studentengruppe im Massachusetts Institute of Technology (MIT), die dort seit den fünfziger Jahren an einer großen Modelleisenbahnanlage spielte und arbeitete . Einen hack hatte derjenige vollbracht, der in der komplizierten Steuer- und Schaltanlage der Modellbahn eine besonders wirkungsvolle und elegante Lösung gebastelt hatte. Als wenig später der erste Computer im MIT zur Verfügung stand, begannen die technikinteressierten Studenten sich dafür zu begeistern und an diesem Gerät zu experimentieren und zu probieren. Sie waren wohl die ersten Menschen, die mit einem Computer herumspielten und ihn für Dinge benutzten, für die er eigentlich nicht vorgesehen war (etwa zum Musikmachen oder zum Lösen mathematischer Hausaufgaben ). Dieser spielerische und respektlose Umgang mit der Heiligen Kuh High-Tech dürfte eines der maßgeblichen Merkmale bei der (Selbst-)Definition eines Hackers sein. Das System verstehen lernen, um es zu beherrschen. Negative Alternative wäre, sich aus Unkenntnis vom System beherrschen zu lassen, ohne Einfluß nehmen zu können. Ein weiterer wichtiger Punkt ist der freie Zugang zu Daten und Rechnern, soweit sie nicht persönlicher Natur oder aus sonstigen Gründen schützenswert sind. Mehr dazu findet sich an späterer Stelle unter dem Thema Datenfreiheit. Intellektuelle Basis der Hacker-Subkultur bilden technikdurchsetzte Kinofilme und Fernsehserien ebenso wie die Science Fiction & Fantasy-Literatur, Comics und Satire. Star Trek und Star Wars, hierzulande als Raumschiff Enterprise und Krieg der Sterne bekannt, fließen zusammen mit Sesam Street und Monty Python, dem Zauberer von Oz und Alice im Wunderland, theoretisch physikalischen Werken wie Eine kurze Geschichte der Zeit (von Stephen W. Hawking) und dem abstrakt mathematischen Gödel Escher Bach (von Douglas R. Hofstadter). Sie vermengen sich in kodiertem Milieujargon und finden ihren Ausdruck neben der romantischen Legendenverarbeitung (durch die Glorifizierung vergangener Tage und Persönlichkeiten und des Hacker-Latein) im lediglich intern dechiffrierbarem Szenehumor. Heroisierte Selbstdarstellung schlägt sich seinerseits rückwirkend in der literarischen Richtung des Cyberpunk (Menschen verbinden sich über einen Stecker am Kopf mit Computern und betreten so die virtuellen Welten, über die sie bisher lediglich per Tastatur und Monitor verbunden waren) und in Science Fiction-Klassikern wie Der Schockwellenreiter von John Brunner ("Dies ist die Geschichte des 'Superhackers Nick, der jeden Code zu knacken vermag und seine elektronischen Bandwürmer auf Regierungscomputer losläßt, bis die Mächtigen keinen anderen Ausweg mehr sehen, als ihn militärisch zu vernichten." ) nieder.
Einige Beispiele aus dem Hackerslang :
Die Techniksprache:
Wortspielereien:
Abkürzungen: Vergessen werden sollte jedoch nicht, daß sich nicht unbedingt jeder Benutzer diesem Hacker-Typus angenähert fühlt, auch nicht jeder Motorradbegeisterte tritt ja als Easy Rider auf. Beschrieben worden ist vielmehr ein Milieuhintergrund, der ständig in den Alltag der Mailboxumwelt einfließt. Viele Mailboxbenutzer betreiben diese Art der Kommunikation sicherlich aus rein pragmatischen Gründen der Erreichbarkeit und des Vorteils schneller Informationsbeschaffung wegen. Anderen ist das Medium selbst Grund genügend zur Teilhabe, wieder andere schnuppern möglicherweise den Duft der weiten Welt beim Durchqueren imaginärer Netzwelten und schließlich mag es auch diejenigen geben, die sich mit Computern leichter tun als mit ihren Freunden und Bekannten und deshalb eine solche soziale Gemeinschaft einer anderen vorziehen. Der Computer als extrem komplexes Werkzeug ist mit der Aura des Unverständnis verschleiert. Viele Personen lehnen Computer ab oder fürchten sie, weil sie ihnen fremd sind und oft nur mit konkreten Drohungen (zum Beispiel dem Verlust des Arbeitsplatzes) lassen sich diese Menschen dazu bewegen, sich mit der neuen Technologie zu beschäftigen. Ein Benutzer, der selbständig mit seinem Computersystem arbeitet, es an seine Bedürfnisse anpassen und geringfügige Fehler beheben kann, ist ein Experte. Wer nicht über diese Kenntnisse verfügt, bleibt ein ahnungsloser Anwender und bei Störungen im Arbeitsablauf auf einen Profi angewiesen. Dazu kommt beim Laien die fehlende Übersicht über die Möglichkeiten, die der Computer bietet (dies beginnt schon bei der Übersicht über den Markt der angebotenen Programme und deren Leistungsmerkmale) und der Risiken, die sich in ihm verbergen (angefangen bei der Datenunsicherheit einer Festplatte oder Diskette, die zum Verlust von nicht mehrfach gesicherten Daten führen kann). Der fachlich Versierte wiederum verschleiert nur allzu oft seine Kompetenz in befremdlichen Sprachgebilden, sei es, um die ihm dadurch gegebene Machtposition dem Unwissenden gegenüber aufrecht zu erhalten oder einfach, weil es ihm an simplen Darstellungsmöglichkeiten mangelt.
Wer den Computer beherrscht, ist im Vorteil, und nicht nur bei der Arbeitsplatzsuche.
Je mehr Information und Informationsbeschaffung von den herkömmlichen Quellen
auf das neue Computermedium umgestellt wird, um so deutlicher bildet sich ein
digitaler Analphabetismus heraus . Wurde im Verlauf der Verbreitung der
Buchdruckerkunst durch Erlangung der Lesefähigkeit der Zugang zum Wissen für alle
ermöglicht und dadurch die Voraussetzung für die modernen Gesellschaftssysteme
geschaffen , schließen sich diese Quellen gleichsam mit dem Umstieg auf ein
Medium, auf das große Teile der Bevölkerung derzeit keinen Zugang haben oder
denen die Kompetenz zur Bedienung fehlt. Das Z-Netz kann als privates Netz mit leichten Einflüssen von Bürgergruppen und Initiativen, einer recht demokratischen Verwaltungsstruktur und einem parallel verschickten linken politischen Netz, dem CL-Netz, mit gutem Recht als eines der anspruchsvollen Netze in der Bundesrepublik Deutschland bezeichnet werden. Auszüge aus einer internen Statistik sollen ein wenig deutlich machen, wo die Schwerpunkte des Netzbetriebs liegen und welche der 156 (im Anhang aufgelisteten) Bretter den größten Zuspruch erfahren. Die 20 Bretter mit den meisten Nachrichten im Juni 1993 waren: 1. 1671 Nachrichten ( 8.80 %) : /Z-NETZ/RECHNER/AMIGA/ALLGEMEIN 2. 887 Nachrichten ( 4.67 %) : /Z-NETZ/RECHNER/AMIGA/HARDWARE 3. 884 Nachrichten ( 4.66 %) : /Z-NETZ/FUNDGRUBE/BIETE/ELEKTRONIK 4. 613 Nachrichten ( 3.23 %) : /Z-NETZ/KOORDINATION/DISKURS 5. 603 Nachrichten ( 3.18 %) : /Z-NETZ/RECHNER/IBM/ALLGEMEIN 6. 543 Nachrichten ( 2.86 %) : /Z-NETZ/FREIZEIT/MUSIK 7. 541 Nachrichten ( 2.85 %) : /Z-NETZ/MITEINANDER/KONTAKTE 8. 541 Nachrichten ( 2.85 %) : /Z-NETZ/RECHNER/IBM/HARDWARE 9. 530 Nachrichten ( 2.79 %) : /Z-NETZ/FUNDGRUBE/BIETE/ALLGEMEIN 10. 525 Nachrichten ( 2.76 %) : /Z-NETZ/FORUM/NEWS 11. 515 Nachrichten ( 2.71 %) : /Z-NETZ/FORUM/FRAGEN+ANTWORTEN 12. 449 Nachrichten ( 2.36 %) : /Z-NETZ/RECHNER/IBM/OS2 13. 407 Nachrichten ( 2.14 %) : /Z-NETZ/FREIZEIT/TV 14. 381 Nachrichten ( 2.01 %) : /Z-NETZ/RECHNER/AMIGA/PROGRAMMIEREN 15. 357 Nachrichten ( 1.88 %) : /Z-NETZ/KOORDINATION/USER+SYSOPS 16. 353 Nachrichten ( 1.86 %) : /Z-NETZ/FORUM/DISKUSSION/POLITIK 17. 340 Nachrichten ( 1.79 %) : /Z-NETZ/FUNDGRUBE/SUCHE/ELEKTRONIK 18. 336 Nachrichten ( 1.77 %) : /Z-NETZ/FUNDGRUBE/SUCHE/ALLGEMEIN 19. 329 Nachrichten ( 1.73 %) : /Z-NETZ/RECHNER/AMIGA/SPIELE 20. 324 Nachrichten ( 1.71 %) : /Z-NETZ/FORUM/DISKUSSION/ALLGEMEIN Innerhalb der aktivsten 20 Bretter nehmen diejenigen mit Bezug zur Computerthematik (hier kursiv dargestellt) einen weiten Raum ein. Ziemlich genau ein Drittel der 156 Bretter im Z-Netz beschäftigen sich direkt mit Computern und deren Programmierung und Anwendung. Und dies, obwohl das Z-Netz nicht ausdrücklich als Computerfreak-Netz gilt. Jedoch darf nicht vergessen werden, daß ein Großteil der gesellschaftlichen Diskussion im CL-Netz ausgelagert ist. Andererseits ist aber auch ein Teil der computerbezogenen Bretter in andere Netze ausgelagert worden. Weiten Zuspruch finden zudem die Suche- und Biete-Bretter der Fundgrube, eine Art Flohmarkt im Netz, sowie insbesondere das Brett /KONTAKTE/MITEINANDER, das den Kontakt- und Grußanzeigen lokaler Stadtmagazine entsprechen dürfte. Im Brett /KOORDINATION/DISKURS, zu dem lediglich die Mailboxbetreiber Zutritt haben, werden Fragen des Netzbetriebs diskutiert, scheinbar sehr intensiv mit immerhin 613 Nachrichten innerhalb von 30 Tagen. Hier nun eine Auflistung des Datenaufkommens in den einzelnen Brettern. Ansonsten läßt sich feststellen, daß das Interesse an allgemeiner Diskussion, hier in den Brettern /FORUM/DISKUSSION/ALLGEMEIN und /FORUM/DISKUSSION/POLITIK zu finden, besteht. Die 20 Bretter mit dem größten Datenaufkommen in Juni 1993 waren: 1. 2045163 Bytes ( 8.35 %) : /Z-NETZ/RECHNER/AMIGA/ALLGEMEIN 2. 1011474 Bytes ( 4.13 %) : /Z-NETZ/RECHNER/AMIGA/HARDWARE 3. 936987 Bytes ( 3.83 %) : /Z-NETZ/KOORDINATION/DISKURS 4. 928719 Bytes ( 3.79 %) : /Z-NETZ/FORUM/DISKUSSION/POLITIK 5. 855523 Bytes ( 3.49 %) : /Z-NETZ/FORUM/NEWS 6. 835297 Bytes ( 3.41 %) : /Z-NETZ/FORUM/DISKUSSION/ALLGEMEIN 7. 711902 Bytes ( 2.91 %) : /Z-NETZ/RECHNER/IBM/ALLGEMEIN 8. 642669 Bytes ( 2.62 %) : /Z-NETZ/FREIZEIT/MUSIK 9. 633644 Bytes ( 2.59 %) : /Z-NETZ/FUNDGRUBE/BIETE/ELEKTRONIK 10. 545428 Bytes ( 2.23 %) : /Z-NETZ/MITEINANDER/KONTAKTE 11. 525075 Bytes ( 2.14 %) : /Z-NETZ/FORUM/NETZWESEN 12. 517467 Bytes ( 2.11 %) : /Z-NETZ/RECHNER/IBM/HARDWARE 13. 514849 Bytes ( 2.10 %) : /Z-NETZ/FREIZEIT/TV 14. 500604 Bytes ( 2.04 %) : /Z-NETZ/KOORDINATION/USER+SYSOPS 15. 491048 Bytes ( 2.01 %) : /Z-NETZ/FORUM/FRAGEN+ANTWORTEN 16. 480069 Bytes ( 1.96 %) : /Z-NETZ/RECHNER/AMIGA/PROGRAMMIEREN 17. 471379 Bytes ( 1.92 %) : /Z-NETZ/FUNDGRUBE/BIETE/ALLGEMEIN 18. 455156 Bytes ( 1.86 %) : /Z-NETZ/RECHNER/IBM/OS2 19. 454749 Bytes ( 1.86 %) : /Z-NETZ/TELECOM/ALLGEMEIN 20. 361156 Bytes ( 1.47 %) : /Z-NETZ/RECHNER/AMIGA/BINAER
Unter Hinzuziehung dieser weiteren Statistik über das Datenaufkommen innerhalb der
einzelnen Bretter (ein Byte entspricht einem Zeichen) läßt sich folgendes feststellen:
Die Nachrichten in bestimmten Brettern scheinen, so deutet das statistische Mittel an,
unterschiedliche thementypische Größen anzunehmen. Die aktivsten Bretter, nach der durchschnittlichen Nachrichtengröße sortiert: 1. 2631 Bytes : /Z-NETZ/FORUM/DISKUSSION/POLITIK 2. 2578 Bytes : /Z-NETZ/FORUM/DISKUSSION/ALLGEMEIN 3. 2125 Bytes : /Z-NETZ/TELECOM/ALLGEMEIN 4. 2756 Bytes : /Z-NETZ/FORUM/NETZWESEN 5. 1630 Bytes : /Z-NETZ/FORUM/NEWS 6. 1529 Bytes : /Z-NETZ/KOORDINATION/DISKURS 7. 1402 Bytes : /Z-NETZ/KOORDINATION/USER+SYSOPS 8. 1265 Bytes : /Z-NETZ/FREIZEIT/TV 9. 1260 Bytes : /Z-NETZ/RECHNER/AMIGA/PROGRAMMIEREN 10. 1224 Bytes : /Z-NETZ/RECHNER/AMIGA/ALLGEMEIN 11. 1184 Bytes : /Z-NETZ/FREIZEIT/MUSIK 12. 1181 Bytes : /Z-NETZ/RECHNER/IBM/ALLGEMEIN 13. 1140 Bytes : /Z-NETZ/RECHNER/AMIGA/HARDWARE 14. 1014 Bytes : /Z-NETZ/RECHNER/IBM/OS2 15. 1008 Bytes : /Z-NETZ/MITEINANDER/KONTAKTE 16. 967 Bytes : /Z-NETZ/RECHNER/IBM/HARDWARE 17. 953 Bytes : /Z-NETZ/FORUM/FRAGEN+ANTWORTEN 18. 889 Bytes : /Z-NETZ/FUNDGRUBE/BIETE/ALLGEMEIN 19. 850 Bytes : /Z-NETZ/AMIGA/SPIELE 20. 717 Bytes : /Z-NETZ/FUNDGRUBE/BIETE/ELEKTRONIK 21. 665 Bytes : /Z-NETZ/FUNDGRUBE/SUCHE/ALLGEMEIN 22. 493 Bytes : /Z-NETZ/FUNDGRUBE/SUCHE/ELEKTRONIK Anhand der Durchschnittstabelle läßt sich das folgendermaßen belegen: Diskursive Nachrichten, bestehend aus Kommentaren, Diskussionsbeiträgen und formulieren Meinungen, finden sich in den ersten sieben Brettern ohne Zweifel überwiegend. Beginnend mit dem Brett /FREIZEIT/TV könnte sich das Erscheinungsbild wandeln in Nachrichten informativer Art, also überwiegend gefüllt mit weniger voluminösen Primärinformationen. Am wenigsten Raum nehmen reine Frage- oder Antwortnachrichten ein, die wohl zuerst in großer Zahl im Brett /FORUM/FRAGEN+ANTWORTEN zu finden sind. Die reinste Frageform läßt sich in den /FUNDGRUBE/SUCHE/-Brettern finden, wo im Kleinanzeigenstil geschrieben wird, ebenso in den Angebotsbrettern des /FUNDGRUBE/BIETE. Kurze Nachrichten werden eher gelesen, zur Ausformulierung eigener Meinung wird jedoch viel Platz benötigt. Auf genauere Darstellung soll verzichtet werden, Tatsache ist, daß im politischen CL-Netz die Nachrichtenlängen noch weitaus höher liegen, was daran liegen mag, daß die Autorinnen und Autoren sich wesentlich mehr Zeit bei der Formulierung ihrer Nachrichten nehmen und gleichzeitig davon ausgehen, daß die Leser ihrerseits mehr Zeit für das Studium dieser Nachrichten aufwenden. Wenigst benutztes Brett des Z-Netz im Juni 1993 war übrigens mit einer Nachricht das Brett /BILDUNG/ALLGEMEIN und das leerste Brett im gleichen Zeitraum war mit 170 Bytes (Zeichen) das Brett /WISSENSCHAFT/GEISTESW-SCHAFT. Daraus jedoch ohne genauere Beobachtung Tendenzen ableiten zu wollen, hieße spekulieren.
Ein zivilisiertes Miteinander von Menschen bedarf der Definition allgemeiner Grundregeln des Umgangs. Diese können in unterschiedlicher Form vorhanden sein und vermittelt werden, etwa als Gesetz oder als Moral. Die Zunahme der Komplexität der Netzwerk-Strukturen verlangt von den Teilnehmenden ebendiese grundlegenden Bestimmungen. Sie sind in den einzelnen Netzen äußerst unterschiedlich ausgefallen:
Fido-Netz:
Z-Netz:
Internet/Usenet: Das Spektrum der Umgangsformen innerhalb der vernetzten Computer reicht also vom anarchischen Prinzip des sich selbst organisierenden Chaos eines Internet über die demokratischen Ansätze im Z-Netz bis zur strengen Reglementierung eines Fido- Netz. Jedoch sind dies nur die theoretischen Vorgaben, der Netzalltag unterscheidet sich davon häufig: Viele Teilnehmer und insbesondere Betreiber lösen Probleme weiterhin auf die ihnen am sinnvollsten scheinende Art oder verbinden sich unbürokratisch an der für sie effektivsten Stelle mit dem Netz. Solange der Netzbetrieb nicht gestört ist, sind selten Beschwerden zu vernehmen. Deutlich zeigt sich, daß trotz verordneter Rules noch ein Raum freier Gestaltung vorherrscht und scheinbar auch keinem Wilden Westen zwangsläufig Netikette vorgeschoben werden müssen. Das Gros der Verfehlungen der Netzbenutzenden ist auf Unkenntnis des komplexen Mediums und nicht auf böse Absicht zurückzuführen.
Nachrichten innerhalb elektronischer Datensysteme bestehen lediglich aus binär verschlüsselten Zahlencodes. Ein A hat im Standardcomputerzeichensatz ASCII (ASCII = American Standard Code for Information Interchange) den Zahlenwert 65 (binär ist das 1000001), unter dem es im Speicher des Computers zu finden ist. Mühelos kann ein Fachkundiger diesen Wert ändern, vor allen Dingen ohne Spuren zu hinterlassen und ohne daß sich die geänderten Zahlenwerte in irgendeiner Form von echten Daten unterscheiden lassen. Computer erlauben perfekte Fälschung, wie sie auch perfekte Kopien ihrer Daten erlauben, die sich in keinster Weise vom Original unterscheiden. Daten, die sich innerhalb von Computersystemen befinden oder allgemeiner noch, die in digitaler Form vorhanden sind, können also keinen Dokumentencharakter annehmen, weil ihre Echtheit nicht hinterfragbar ist und sie selbst substantiell nicht vorhanden sind (etwa als Letterabdruck auf Papier). Möglich ist lediglich, daß Transport und Lagerung dieser Daten soweit geschützt wird, daß anzunehmen ist, das die Daten unverändert geblieben sind . Digitale Nachrichten haben also einen Status, der sie, obwohl schriftlich vorhanden, weniger glaubwürdig erscheinen läßt als mündliche Nachrichten, bei denen wenigstens der Informant als Bezugspunkt herhalten kann. "Die Systembetreuung hat die datenschutzrechtlichen Vorschriften und das Fernmeldegeheimnis zu beachten." Die Feststellung, daß auf Computer vorhandene Daten technisch eine völlig neuen Form der orwellschen Methode der Datenfälschung erlauben, führt zu einer Reihe weiterer möglicher Problematiken.
Datenfälschung:
Datenunterdrückung:
Datenausspähung:
Personenanalyse: "Ich begnüge mich mit der Feststellung, daß ein wichtiges neuartiges Medium die Diskursstruktur verändert, und zwar indem es bestimmte Anwendungsformen des Intellekts fördert, bestimmte Definitionen von Intelligenz und Weisheit bevorzugt und nach einer bestimmten Art von Inhalten verlangt - kurz, indem es neue Formen von Wahrheit und Wahrheitsäußerung hervorbringt."
Nachrichten, die Botschaften im Medium Mailbox, ähneln sich in frappanter Weise.
Gemeint ist nicht der Inhalt sondern die Form: Schriftart und -größe, Anzahl der
Zeichen pro Zeile, Format des Nachrichtenkopfes, Ort der Veröffentlichung, all dies ist
bei allen Nachrichten identisch. Durch diese formale Minimierung, wie sie ja schon
weiter oben unter dem Aspekt des Mißverständnisses beschrieben wurde, gelangt der
Inhalt als einzige Variable zu immenser Bedeutung. Wird sich eine Person mit der
Nachricht einer anderen auseinandersetzen, so muß sie dies über die inhaltliche
Aussage tun (Es sei denn, sie würde die Rechtschreibung bemängeln) . Die
textfremden Merkmale, die bei Postman einen fernsehuntauglichen Präsidenten
unwählbar machen , sind nicht vorhanden. Zur Gleichheit der Nachrichtenform und der möglichen Anonymität der Schreibenden kommt die Garantie der Veröffentlichung. Jeder Teilnehmende einer Mailbox kann Nachrichten einspeisen, die, solange keine strafrechtlichen Tatbestände erfüllt sind, nicht verhindert werden können. Ins Netz gesendet wird, was der oder die Verfassende für richtig hält (oder auch für falsch hält und in dieser Weise darstellt) und gerne veröffentlicht sehen möchte. Mailboxen können also Verteiler alternativer Informationen sein. Ist Mailbox ein Medium, daß "einen neuen bestimmten unverwechselbaren Diskurs [begründet], indem es dem Denken, dem individuellen Ausdruck, dem Empfindungsvermögen eine neue Form zur Verfügung stellt." ? Es ist jedenfalls ein Medium, daß dadurch zu Leben erwacht, daß der und die einzelne Benutzende nicht nur konsumiert, sondern mit Selbstverfasstem beiträgt. Zum Selbstverständnis der Hacker gehört, daß Daten frei sein sollen. Die Bayrische Hackerpost, (ehemaliges) Zentrum der süddeutschen Szene formuliert dies so: "Daten von öffentlichem Interesse im Sinne des Presserechts müssen für jeden zugänglich sein. Das gilt insbesondere für Daten und Datenbanken des öffentlichen Lebens und der Politik. Gebühren und Datenübertragungsverfahren sollen so gestaltet sein, daß jeder sich Information auch leisten kann." Der Ruf nach Freiheit von nichtprivaten Daten erschallt seit den Gründerjahren der Hacker-Kultur; schon die Ur-Hacker, die Studenten am MIT forderten freien Zugriff auf die so faszinierenden Computer des Instituts zum Zwecke der persönlichen Erforschung und Nutzung. Als Reaktion auf kommerzielle und meist sehr schlechte und teure Computer-Software entstanden Public Domain-Programme (übersetzt etwa: öffentlicher Bereich), Freeware und Shareware. Bei ersteren verzichtet der Programmersteller auf sein Copyright, während das Urheberrecht weiterhin bei ihm liegt. Diese Programme können also uneingeschränkt und kostenlos kopiert und genutzt werden. Freeware definiert sich ähnlich freizügig, wohingegen die Shareware kostenlos kopiert und getestet werden darf (meist über einen angegebenen Zeitraum hinweg) und bei weiterer Benutzung ein Betrag an den Autor zu zahlen ist. Mit diesem im Vergleich zur kommerziell vertriebenen Software geringen Betrag registriert sich der Benutzer und erwirbt damit das endgültige Nutzungsrecht. Diese Programme haben durch die Verteilmöglichkeiten der Mailboxen und den gemeinsamen Public Domain-Gedanken große Verbreitung gefunden. Ganz ähnlich verhält es sich mit Artikeln von Mailboxbenutzern. Hier verzichtet der Autor bzw. die Autorin auf ihr Recht der Veröffentlichung, gibt den Text innerhalb des Netzes zur Verbreitung frei und behält lediglich das Urheberrecht. Auch innerhalb des Internet sind große Datenmengen für Unbekannte zugänglich und verfügbar. Ganz anders allerdings sieht es in den staatlichen und kommerziellen Informationsbeständen aus, hier besteht keine Möglichkeit für den Privatmensch, auf Daten zugreifen zu können, nicht einmal auf die eigenen. Allzu oft ist nicht einmal bekannt, was für Daten überhaupt gesammelt und gespeichert werden. Die Forderung zur Datenfreiheit richtet sich also gegen eine undurchschaubare und rechtlich bedenkliche Datensammelei und nicht gegen private, staatliche oder firmeninterne Geheimnisse, die natürlich auch weiterhin nicht für die Öffentlichkeit erreichbar sein sollen. Nach dieser weitgefächerten Betrachtung des Neuen Mediums Mailbox ergibt sich letztendlich die Frage, wie wird es weitergehen? Werden sich Mailboxen als reguläre Informationsquellen und Diskussionsforen etablieren und dort, wo heute einige linke Journalisten recherchieren sich bald Scharen von professionellen Anwendern tummeln? Die Gegenstruktur mit den Gegenexperten und der Gegenöffentlichkeit , für Vereine, Bürgerinitiativen und politisch und ökologisch orientierte Gruppierungen bildet sie inzwischen die Basis ihrer Arbeit und Zusammenarbeit, für den computerunbedarften Normalbürger lediglich Objekt strafrechtlicher Spekulationen. Die Mailboxen haben den Schritt an die Öffentlichkeit bisher nicht vollziehen können und wo nicht lokales Engagement oder kommerzielles Interesse aufflammt, bleiben die Datennetze im Verborgenen. Gewitzte Firmen versorgen indes ihre Außendienstmitarbeiter über die hauseigene Mailbox mit Information und lassen sich die Bestellungen der Vertreter gleich über das Telefonnetz in den Computer schicken. Großbetriebe installieren Mailboxen zur elektronischen Abwicklung des internen Briefverkehrs. Städte und Gemeinden könnten auf billige Weise Informationseinrichtungen schaffen, sogar mit der Möglichkeit der bürgernahen Mecker- und Vorschlagsecke, beidseitige Kommunikation stellt ja für Mailboxen kein Problem dar. Vereinzelt wurde mit BTX experimentiert, jedoch mangels erhöhten Nutzens und gewaltiger Kosten die Projekte wieder eingestellt. Mailboxen bieten die Chance für den zweiten Anlauf. Sie sind unkompliziert, unbürokratisch, preiswert und nur ein Einzelner muß auf die Idee kommen, sie zu errichten. Private Mailboxen können vernetzt sein und Interessierte im Abonnement mit Neuigkeiten versorgen und als weltweiter Briefkasten dienen, ohne Netzanschluß können sie auf regionaler Ebene Zentrum verschiedenster Aktivitäten sein. Computer sind Strukturverstärker , das trifft auch auf ihre Anwendung als Mailbox zu. Lokale Belange lassen sich durch die Mailbox organisieren und die Bürger daran teilhaben. Würde solch ein Angebot, falls vorhanden, überhaupt genutzt? Kann es ein Medium Mailbox in einer Erlebnisgesellschaft überhaupt in großem Maßstab geben? Die Mailbox als Informationsgeber und Meinungsaustauscher fände in einer derartigen Gesellschaft keinen Platz. Die mit dem Projekt des schönen Lebens beschäftigten Menschen sind nicht an einer Informiertheit interessiert (solange sich Informiertsein selbst nicht allgemein als positiv oder zumindest von einer einflußreichen Erlebnisgruppe als erstrebenswertes Ziel empfunden wird.), die Art der Darbietung als persönlich empfundenes Erlebnis ist von Bedeutung. Hierbei kommen die auf Schrift basierenden Medien nicht gut davon, solange sie nicht Bilderbuchcharakter annehmen. Es gibt keine Bilder in Mailboxen, die für sich selbst sprechen, keine auf die angemessene Stimmung hinweisendes Musikuntermalung und Geräuschkulisse. Der Erlebnisvorgang wird dem Subjekt in Eigenarbeit abverlangt wo andere Medien und Möglichkeiten das Erlebnis in gebrauchsfertigem Zustand liefern. Mailboxen eröffnen informationswilligen Menschen die Möglichkeit, schneller, günstiger und umfassender informiert zu werden. Sie verbreitern dadurch den information gap , die Wissenskluft zu jenen, die daran nicht interessiert sind. Und das sind in einer Unterhaltungsgesellschaft wie der unsrigen viele. Liste der Bretter im CL-Netz: /CL/!VORSCHAU :Zusammenfassung von /CL - Material /CL/!WICHTIG :Die Brett- und Systemliste des CL-Netzes /CL/ADRESSEN/ALLGEMEIN :Fuer Mitmacher und Mehrwissenwoller /CL/ADRESSEN/E-MAIL :Uebers Netz erreichbar /CL/ADRESSEN/SUCHE :Wer kann weiterhelfen? /CL/ADRESSEN/SYSTEMDATEN :Adressen und Infos der CL-Systeme /CL/AFRIKA/AKTIONEN :Was laeuft: Aufrufe und Aktionen /CL/AFRIKA/ALLGEMEIN :Der Kontinent Afrika /CL/AFRIKA/DISKUSSION :Forum fuer Meinung und Kommentar /CL/AKTUELLES+TERMINE :Tagespolitik, Veranstaltungen etc. /CL/ANTIFA/AKTIONEN :Was laeuft: Aufrufe und Aktionen /CL/ANTIFA/ALLGEMEIN :Breites Buendnis gegen Rechts /CL/ANTIFA/DISKUSSION :Forum fuer Meinung und Kommentar /CL/ANTIFA/NEUE_RECHTE :Neuer Wein in alten Schlaeuchen /CL/ARTENSCHUTZ/AKTIONEN :Was laeuft: Aufrufe und Aktionen /CL/ARTENSCHUTZ/ALLGEMEIN :Vom Aussterben bedroht... /CL/ARTENSCHUTZ/BEDROHT :Hier besteht akute Gefahr! /CL/ARTENSCHUTZ/DISKUSSION :Forum fuer Meinung und Kommentar /CL/ASIEN/AKTIONEN :Was laeuft: Aufrufe und Aktionen /CL/ASIEN/ALLGEMEIN :Der Kontinent Asien /CL/ASIEN/DISKUSSION :Forum fuer Meinung und Kommentar /CL/ASIEN/NAHOST :Von Syrien bis Iran /CL/ASIEN/OSTASIEN :Korea, China, Taiwan, Japan... /CL/ASIEN/SUEDASIEN :Indien, Pakistan, Afghanistan... /CL/ASIEN/SUEDOSTASIEN :Von Thailand bis Vietnam und Indonesien /CL/ATOM/AKTIONEN :Was laeuft: Aufrufe und Aktionen /CL/ATOM/AKW :Warten auf den GAU /CL/ATOM/ALLGEMEIN :Strahlung, Kernkraft, Gegenwehr /CL/ATOM/DISKUSSION :Forum fuer Meinung und Kommentar /CL/ATOM/GEWINNUNG :Abbau und Produktion /CL/ATOM/MUELL :Export bessert die Bilanz! 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/CL/ENERGIE/SPAREN :Licht aus, Hahn zu /CL/ENERGIE/UMWELTBILANZ :Aufwand und Ertrag /CL/EUROPA/AKTIONEN :Was laeuft: Aufrufe und Aktionen /CL/EUROPA/ALLGEMEIN :Der Kontinent Europa /CL/EUROPA/BALKAN :Von Jugoslawien bis Rum nien /CL/EUROPA/BALTIKUM :Lettland, Litauen und Estland /CL/EUROPA/CR :Tschechische Republik /CL/EUROPA/DEUTSCHLAND :Um den Schlaf gebracht /CL/EUROPA/DISKUSSION :Forum fuer Meinung und Kommentar /CL/EUROPA/EG :Die Europaeische Gemeinschaft (EG) /CL/EUROPA/ITALIEN :Vom Brenner bis Sizilien /CL/EUROPA/OESTERREICH :Felix Austria /CL/EUROPA/POLEN :Volksrepublik Polen /CL/EUROPA/RECHT :Warten auf den Binnenmarkt /CL/EUROPA/SR :Slowakische Republik /CL/EUROPA/TUERKEI :Tuerken und Kurden /CL/EUROPA/UNGARN :Ungarische Volksrepublik /CL/FLUECHTLINGE/AKTIONEN :Wanderungsbewegungen, Exil und Asyl /CL/FLUECHTLINGE/ALLGEMEIN :Wanderungsbewegungen, Exil und Asyl /CL/FLUECHTLINGE/DISKUSSION :Forum fuer Meinung und Kommentar /CL/FRAUEN/AKTIONEN :Was laeuft: Aufrufe und Aktionen /CL/FRAUEN/ALLGEMEIN :Kochrezepte bitte ins Brett Maenner ;-) /CL/FRAUEN/DISKUSSION :Forum fuer Meinung und Kommentar /CL/FRAUEN/ONLY :Maenner bleiben hier aussen vor. /CL/FREIE_LIEBE/HETERO :Erotisches zwischen Frauen und Maennern /CL/FREIE_LIEBE/LESBEN :Frauen lieben Frauen /CL/FREIE_LIEBE/SCHWULE :Power to the gays /CL/FRIEDEN/AKTIONEN :Was laeuft: Aufrufe und Aktionen /CL/FRIEDEN/ALLGEMEIN :Wir haben nur eine Welt! 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Heine, Die Hacker. Von der Lust, in fremden Netzen zu wildern, Reinbek bei Hamburg 1985 Günter Myrell (Hrsg.), Daten-Schatten, Reinbek bei Hamburg 1984 Neil Postman, Wir amüsieren uns zu Tode. Urteilsbildung im Zeitalter der Unterhaltungsindustrie, Frankfurt 1992 Dietrich Ratzke, Handbuch der Neuen Medien, Stuttgart, 1984 Eric Raymond, The New Hacker's Dictionary, Cambridge, London 1991 Gerhard Schulze, Die Erlebnisgesellschaft, Frankfurt, New York 1992 Wolfgang Spindler, Unter dem Pflaster liegt das Kabel, Reinbek bei Hamburg 1984
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