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Telephone Phreaking
"Die Kunst des kostenlosen Telefonierens"
Copyright (c) 1997 by Arthur Konze
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dies unentgeldlich geschieht. Veränderungen sind nicht erlaubt.
Absender : Arthur Konze @ 2:2452/172.18 (Krynn, Bergheim)
Hallo Leute,
In Rahmen eines spontanen Beschlusses ein Teil meines
Wissens anderen Leuten, die nicht aus der Szene kommen,
zur Verfügung zu stellen habe ich mal einen kleinen Text
über das Telephone Phreaking (Die Kunst des kostenlosen
Telefonierens) verfasst.
Ich hoffe der Text gefällt euch und ihr schickt mir
kräftig Mails mit eurer Meinung. Natürlich bin ich auch
Verbesserungvorschlägen, wenn denn welche kommen sollten,
gegenüber offen.
Der Text befindet sich noch im Anfangsstadium!!! Ich wollte
halt nur mal schon jetzt eure Meinung darüber wissen...
cu,aRthUr
EINLEITUNG
Heutzutage werden Raubkopien im großen Stil gehandelt. Noch zu
C64 Zeiten beschränkte sich der Austausch von raubkopierter
Software auf den Tausch von Disketten. Aber schon mit der
Einführung des Amiga wurden immer mehr Raubkopien über
Mailboxen getradet. Waren es auf dem PC anfangs noch Streamer
Tapes und später CD-Roms, so wird heute ein Großteil der
Raubkopien über das Internet gehandelt. Dies verursacht den
Tradern, die in der Regel 3 bis 5 Stunden am Tag online sind,
natürlich enorme Telefonkosten. Ein Teil der Kosten holen die
Softwarepiraten zwar durch den Verkauf von Raubkopien wieder
herein, doch die Telefonrechnungen von bis zu 3000 DM sind für
die meist jugendlichen Trader in der Regel nicht erschwinglich.
Deshalb bedient man sich Techniken, die es ermöglichen
kostenfrei zu telefonieren. Die Kunst des kostenlosen
Telefonierens nennt man Telephone Phreaking. Leute die solche
Techniken beherrschen bezeichnen sich selbst als Phreaker.
Geschichte
Den Grundstein für die heutige Phreakerszene legte John Draper,
einer der ersten Mitarbeiter von APPLE, im Jahre 1970. Er fand
mehr zufällig heraus, daß eine Pfeife, die als Geschenk einer
Cornflakes Packung beilag, seine Telefonvermittlungsstelle zu
beeinflussen schien. Seine Nachforschungen brachten ans Licht,
daß die Pfeife eine Frequenz von 2600 Hertz erzeugte, eine
Frequenz, die Vermittlungsstellen untereinander zur
Kommunikation nutzen. So konnte er selbst zur
Vermittlungsstelle werden und als solche kostenlos
telefonieren. Bereits ein Jahr später werden seine Erkenntnisse
in dem von Abbie Hoffmann und Al Bell neu gegründeten
Untergrundmagazin YIPL (Young International Party Line)
veröffentlicht. Das YIPL entwickelt sich schnell zu einer
führenden Hackerpublikation, in dem unter anderem die Pläne zum
Bau einer Blackbox, einer Schaltung, die es erlaubte sich
kostenfrei anrufen zu lassen, sowie die Pläne einer Redbox,
einem Gerät, daß den Münzeinwurf an öffentlichen Fernsprechern
simulierte und somit auch dort ein kostenloses telefonieren
zuließ, veröffentlicht. Dieses Wissen, daß sich vor allem in
Studentenkreisen weit verbreitet, sorgt schon bald dafür, daß
sich eine eigene Subkultur bildet. Als Anfang der 80er Jahre
die ersten relativ billigen Akustikkoppler auf den Markt kommen
bieten sich zum ersten Mal ganz andere Möglichkeiten zur
Manipulation am bestehenden Telefonnetz. Die Phreaker finden
Wege sich mit ihrem Heimcomputer in die Großrechner der
Telefongesellschaften einzuloggen. Dort stehen ihnen ungeahnte
Möglichkeiten offen. Auch die direkte Manipulation der
Vermittlungsstellen per eigenem Rechner ist nun kein Problem
mehr. Mit der Markteinführung des Modems wird die Zahl der
Phreaker immer größer. Erst jetzt beginnen die großen
amerikanischen Telefongesellschaften AT&T, MCI und Sprint sich
über ihre Systeme Gedanken zu machen und man versucht die
Sicherheitslücken zu schließen.
Techniken
Verbindungsaufbau
Bevor man sich mit dem eigentlichen Phreaken beschäftigt
benötigt man umfangreiches Wissen über die unterschiedlichen
Systeme der einzelnen Telefongesellschaften. Dazu gehört, daß
man weiß wie ein Telefonat aufgebaut wird. Wählt man eine
Nummer wird man von der Vermittlungsstelle (VST), an die man
selber angeschlossen ist über viele andere VST's bis hin zur
VST des Angerufenen verbunden. Diesen Vorgang bezeichnet man
als Routing. Dazu ein Beispiel eines Telefonanrufes von
Deutschland in die USA: Hebt man den Telefonhörer ab so bekommt
man von der sogenannten Ortsvermittlungsstelle (OVST) ein Amt
in Form eines Wähltons zugewiesen. Beginnt man jetzt mit der
Wahl der Telefonnummer wird diese über ein zweiadriges Kabel
zur OVST übertragen. Die Vermittlungsstelle initialisiert jetzt
abhängig von der gewählten Nummer den Gebührenzähler. Dieser
fängt jedoch erst an zu laufen, wenn eine Verbindung zum
gewünschten Teilnehmer zustande gekommen ist. Nun wird von der
OVST der Anruf über eine dreiadrige Leitung an die
Kreisvermittlungsstelle (KVST) weitergeleitet. Von dort aus
wird die Verbindung per Richtfunk zur Hauptvermittlungsstelle
(HVST) und dann zur Zentralvermittlungsstelle (ZVST) geroutet.
Dort angekommen wird es nun entweder über Satellit oder aber
über Seekabel in die USA geleitet. Jetzt übernehmen
amerikanische Vermittlungscomputer, die sogenannten Switches,
den Anruf. Von Switch zu Switch wird nun über ein zweiadriges
Kabel die Verbindung weiter bis hin zum Switch des Angerufenen
geleitet. Der letzte Switch läßt nun dort das Telefon klingeln,
der Teilnehmer hebt ab und die Verbindung steht.
Vermittlungsstandards
Als nächstes sollte man sich mit den Vermittlungsstandards
auseinandersetzen. Am weitesten verbreitet sind die beiden
Standards CCIT5 und CCIT7. Der schon etwas ältere CCIT5 (C5)
Standard wird zum Beispiel in den Vereinigten Staaten, Kanada,
Australien, Indien oder auch China eingesetzt. Der wesentlich
neuere CCIT7 (C7) Standard wird von den Vermittlungscomputern
der moderneren europäischen Telefongesellschaften, wie der
deutschen Telekom oder der France Telecom benutzt. Der
wesentliche Unterschied zwischen den beiden
Vermittlungsstandards liegt in der Kommunikation der
Vermittlungsstellen untereinander. Während beim C5 Standard
Daten, wie das gesprochene Wort, und Steuersignale, die unter
anderem zum Verbindungsaufbau genutzt werden, über die selben
Leitungen laufen, werden Daten und Steuersignale beim C7
Standard getrennt. Beim C5 Standard sind die
Vermittlungscomputer mit einem zweiadrigen Kabel verbunden.
Beide Kanäle werden sowohl für Daten als auch für Steuersignale
genutzt. Der Benutzer kann also alle Steuercodes der
Vermittlungsstellen mithören. Beim C7 Standard liegen drei
Leitungen zwischen den Vermittlungsstellen. Zwei werden für die
Datenübertragung genutzt und eine ist eine reine Steuerleitung.
CCIT5
Fast alle Steueranweisungen des alten C5 Standards erfolgen
durch Töne oder Tonsequenzen. Dies ermöglicht eine hohe
Flexibilität und Kundenfreundlichkeit, wie eine Vielzahl von
operatorgestützten Dienstleistungen belegen. So kann ein
amerikanischer Operator nicht nur eine einfache Auskunft über
eine Telefonnummer geben, sondern er kann einen Teilnehmer auch
direkt mit der gesuchten Rufnummer verbinden. Er übernimmt das
Wählen für behinderte Personen, führt Weckaufträge durch und
kann Konferenzschaltungen vermitteln. Ebenso nimmt er
Störungsmeldungen entgegen und bearbeitet diese direkt von
seinem Terminal aus, daß viele Diagnose- und
Behebungsmöglichkeiten bietet. Er kann in Notfällen bestehende
Verbindungen beenden oder sich in laufende Gespräche
einschalten. Jede Eingabe des Operators wird vom Terminal in
eine Folge von Tönen übersetzt, die an den
Vermittlungscomputern die gewünschte Funktion auslösen. Jeder
Teilnehmer, der an eine C5 Vermittlungsstelle angeschlossen
ist, kann diese Tonfolgen nicht nur mithören sondern auch
selber senden. Somit wird er, die entsprechenden Kenntnisse
über die Tonsequenzen vorausgesetzt, selber zum Operator mit
allen Möglichkeiten eines normaler Operator. Diese
Sicherheitslücke bietet eine breite Angriffsfläche für mögliche
Manipulationen.
CCIT7
Der relativ neue C7 Standard umgeht dieses immense
Sicherheitsloch durch Trennung von Daten und Steuersignalen.
Einzig und allein die Leitung vom Teilnehmer zur ersten
Vermittlungsstelle ist zweiadrig, alle weiteren Verbindungen
von Vermittlungsstelle zu Vermittlungsstelle sind dreiadrig
und trennen somit Daten und Steuercodes. Damit bietet sich für
einen Teilnehmer keine Möglichkeit in die Kommunikation der
Vermittlungscomputer einzugreifen. Allerdings wird dies auch
einem C7 Operator verwehrt, da er keinen Zugriff auf die
Steuerleitung hat. Somit hat dieser kaum eine Möglichkeiten auf
die Funktionsweise des C7 Netzes einzuwirken. Dies macht das
CCIT7 Netz zwar sehr sicher, aber es dadurch auch sehr
unflexibel. Alle Dienstleistungen des entsprechenden
Telefondienstanbieters müssen extern ins Netz eingehangen
werden. Diesen Nachteil nehmen viele Anbieter jedoch für den
Vorteil in Kauf, daß ihr Netz von außerhalb praktisch nicht zu
manipulieren ist. Phreaker richten ihre Angriffe deshalb in der
Regel auf C5 Netze.
Angriff von C5 auf C5
Anfangs ging ein Großteil der Manipulationen an C5 Netzen von
Studenten aus. Diese nutzten ihr Wissen über die
Steuerseuqenzen um Telefonkonferenzen zu schalten oder umsonst
zu telefonieren. Dies wurde von den Telefongesellschaften
geduldet, da sich die Verluste in Grenzen hielten. Erst mit dem
Aufkommen der Modemszene sah man sich bei den Anbietern
genötigt etwas zu unternehmen, da vor allem Softwarepiraten
stundenlang durchs ganze Land telefonierten und somit größere
Verluste verursachten. Regelmäßig wurden deshalb von den
Telefongesellschaften die Frequenzen der Steuercodes geändert.
Die Szene reagierte mit sogenannten Frequenzscannern. Diese
Software suchte automatisch nach den neuen Frequenzen. Waren
die neuen Frequenzen erst einmal gefunden, wurden sie innerhalb
weniger Stunden über Mailboxen im ganzen Land verbreitet.
Frequenzscanner waren oft in sogenannte Softwaredialer
integriert. Diese Software konnte nicht nur nach neuen
Frequenzen suchen, sondern band diese automatisch in das
Programm ein, von dem aus dann relativ einfach eine
Manipulation durchgeführt werden konnte. So war es auch
Anfänger ohne große Kenntnisse leicht möglich eine
Leitungsmanipulation durchzuführen. Das einzige Problem stellt
für die amerikanischen Phreaker nur die Gefahr einer Entdeckung
durch eine Fangschaltung dar. Diese als Tracing bekannte
Technik ermöglicht es den Gesellschaften relativ schnell den
Ausgangspunkt eine Leitungsmanipulation festzustellen. So
können Angreifer innerhalb weniger Minuten ausfindig gemacht
und meist auch direkt verhaftet werden. Die einzige Möglichkeit
sich davor zu schützen ist der langwierige Aufbau einer
Verbindung über viele Vermittlungsstellen und Länder, um so die
Zeit bis zur Entdeckung durch den Tracer hinauszuzögern.
Angriff von C7 auf C5
Mit der Einführung des 0130 Service hier in Deutschland lohnte
es sich zum ersten Mal auch für deutsche Phreaker
Leitungsmanipulationen an C5 Netzen durchzuführen. Dazu muß man
wissen, daß viele der 0130 Service Nummern von großen
multinationalen Firmen für den Kundendienst genutzt werden und
in Länder mit CCIT5 Vermittlungsstandards führen. Da bei den
0130er Nummern der Angerufene alle Kosten des Anrufes
übernimmt, kann ein Phreaker von deutschem Boden aus praktisch
ohne Kosten auf Länder mit C5 Standard zugreifen. Dazu muß er
allerdings erst wissen, welche Nummern in Länder mit dem CCIT5
Standard führen. Um genau dies herauszufinden gibt es
sogenannte Rufnummern Scanner. Diese Programme wählen mit Hilfe
eines Modems eine beliebe Reihe von 0130er Nummern an und
testen diese auf C5 Tauglichkeit. Meist lassen Phreaker diese
Scanner die ganze Nacht, wenn sie schlafen, oder den ganzen
Tag, wenn sie arbeiten, laufen und können so innerhalb weniger
Tage mehrere tausend Nummern testen. Hat man erst einmal die
Nummern, kann man jetzt eine Verbindung in das C5 Zielland
herstellen und dann auf die Vermittlungscomputer mit Hilfe der
richtigen Steuersignale einwirken. Eine Entdeckung durch
Tracing braucht der deutsche Phreaker nicht zu fürchten, denn
für eine länderübergreifende Fangschaltung brauchen die
Telefongesellschaften einen richterlichen Beschluß. Diesen zu
erhalten dauert in der Regel jedoch länger als das Telefonat.
Steuersignale
Im Wesentlichen benutzen Phreaker drei wichtige Frequenzen um
kostenlos zu telefonieren. Das erste Signal ist das sogenannte
Breaksignal. Es liegt bei 2600 Hz. Mit Hilfe des Breaksignals
wird eine bestehende Verbindung unterbrochen. Als nächstes wird
das Sizesignal gesendet, daß bei 2400 Hz liegt. Mit ihm wird
die C5 Vermittlungsstelle angewiesen eine neue Verbindung
aufzubauen. Nun braucht nur noch die entsprechende Rufnummer
gesendet zu werden und die Vermittlungsstelle beginnt mit dem
Leitungsaufbau. Da so jedoch nur nationale Gespräche geführt
werden können, bedient man sich der sogenannten Routingcodes,
die für jedes Land der Welt existieren. Mit ihnen kann ein
Phreaker den Anruf weltweit umleiten. Ebenso ist es ihm
möglich, mit Hilfe der entsprechenden Routingcodes den Weg der
Verbindung zu beeinflussen. Der Phreaker kann zum Beispiel
wählen, ob er die Leitung über Seekabel, Seefunk oder Satellit
aufbauen möchte.
Abwehrmaßnahmen
Man war wegen der Problematik internationaler Fangschaltungen
deshalb bei den amerikanischen Telefongesellschaften sehr
bestrebt, das Phreakerproblem schon in den Ausgangsländern von
den dortigen Gesellschaften beseitigen zu lassen. Auf Seiten
der Deutschen Telekom sah man jedoch wenig Handlungsbedarf,
verursachten die deutschen Phreaker der Telekom doch keinen
Schaden sondern im Gegenteil sogar einen hohen Gewinn. Erst als
die amerikanischen Telefongesellschaften drohten
Leitungskapazitäten nach Deutschland abzuziehen, sah sich auch
die Telekom genötigt gegen das Phreaken vorzugehen. Man
stattete deshalb Ende 1993 die nach Amerika führenden Leitungen
mit Frequenzfiltern aus, die die wichtige Breakfrequenz von
2600 Hz aus den Leitungen herausfilterten. Es dauerte jedoch
nur wenige Tage bis deutsche Phreaker einen Weg durch die
Frequenzfilter fanden. Das Problem war die Toleranz der
amerikanischen Vermittlungscomputer, die auch 2650 Hz noch als
Breaksignal erkannten. Erst Mitte 1994 gelang es der Telekom
dieses Problem zu beheben, indem man die Frequenzfilter auf
einen Bereich von 2500 Hz bis 2800 Hz umstellte. Aber auch
diese neuen Frequenzfilter bedeuteten kein größeres Problem.
Zwar war es jetzt nicht mehr möglich ein Breaksignal abzusenden
und somit die Verbindung im C5 Land gezielt zu beenden, jedoch
konnte ließen die Filter das Sizesignal von 2400 Hz immer noch
passieren. Dazu muß man wissen, daß es etwa ein bis zwei
Sekunden dauert, bis deutsche Relais den Abbruch der Verbindung
in Amerika bemerken. Sendete man nun in dieser Zeitspanne ein
Sizesignal, war es wiederum möglich ein Gespräch aufzubauen.
Seitens der Telekom reagierte man darauf mit schnelleren
Relais, so daß auch diese Lücke geschlossen werden konnte.
Gezwungenermaßen mußten sich die Phreaker nun wieder mit den
Frequenzfiltern beschäftigen. Man fand heraus, daß sich die
Filter mit sogenannten Flatterfrequenzen umgehen lassen. Bei
der Telekom verzichtete man auf ein erneutes Auswechseln der
Filter und beschränkte sich darauf die C5 Steuersignale auf die
C7 Steuerleitung umzulegen. Damit ist es deutschen Phreakern
nun nicht mehr möglich die Antworten der amerikanischen
Vermittlungscomputer zu hören. Man muß seine Break- und
Sizesignale praktisch blind positionieren.
Ein erstes Fazit
Das Phreaken ist mittlerweile zu einem globalen Problem
geworden, da es selbst obwohl die deutsche Telekom ein sehr
hohen technischen Aufwand betrieben hat, auch heute noch
möglich ist, über die gut abgesicherten Leitungen nach Amerika,
Kanada und Australien kostenlos zu telefonieren. Vor allem
CCIT5 Ländern mit rückständiger Technologie sind den
Manipulationen meist hilflos ausgeliefert. In Indien zum
Beispiel sah man sich genötigt einen Großteil der ins Ausland
führenden Leitungen zu kappen. So haben dort nur noch große
Frimen eine Verbindung zum Rest der Welt. In China steht auf
Leitungsmanipulationen mittlerweile die Todesstrafe. In Chile
versuchen Sonderkommandos des Militärs dem Phreakerproblem Herr
zu werden. Trotz der enormen Anstrengungen der Gesellschaften
und Behörden gibt man sich in der Phreakerszene gelassen, da es
noch eine Menge anderer Wege gibt, um kostenfrei zu
telefonieren.
Neue Wege
Nach dem es in Deutschland immer schwieriger wurde mit Hilfe
von Leitungsmanipulationen kostenlos zu telefonieren suchte man
hierzulande nach neuen Wegen. Man wurde fündig in der Schwäche
der Amerikaner für Kreditkarten. Karten, mit denen man jegliche
Art von bargeldlosem Zahlungsverkehr durchführen kann, sind in
den USA sehr in Mode gekommen. So gibt es für alle möglichen
Dienstleistungen spezielle Kreditkarten, unter anderem auch für
das Telefonieren. Diese Karten nennt man in Amerika
Callingcards.
Callingcards
Unter dem Begriff Callingcard versteht man eine Kreditkarte,
von der aus man weltweit bargeldlos telefonieren kann. Sie sind
sehr beliebt, da mehr als 70% der amerikanischen Telefonkunden
über eine solche Callingcard verfügen. Callingcards werden aber
zum Beispiel auch von deutschen Firmen genutzt. Sie könen so
die Kosten eines Anrufes in die USA minimieren, da die
amerikanischen Gesellschaften einen Anruf viel billiger
anbieten als die teure deutsche Telekom. Die Kosten für ein
Gespräch werden vom jeweiligen Anbieter der Karte übernommen
und auf das normale Telefonkonto des Inhabers umgelegt oder
über eine andere Kreditkarte abgerechnet. Das Telefonieren mit
Callingcards gestaltet sich denkbar einfach. Der Karteninhaber
ruft von einem beliebigen Land der Welt eine gebührenfrei
Telefonnummer des Anbieters an. Nun gibt es zwei Möglichkeiten.
Die erste ist, daß er mit einem Operator verbunden wird. Diesem
nennt er die gewünschte Rufnummer, die Kartennummer und eine 4-
stellige Geheimnummer. Wenn der Operator die Daten verifiziert
hat, stellt er das Gespräch durch. Die zweite Möglichkeit ist,
daß der Anrufer mit einem sogenannten Dial-Up verbunden wird.
Hier kann er selbstständig, also ohne Operator, über DTMF Töne
Rufnummer, Kartennummer und Geheimnummer eingeben und wird dann
verbunden. Die Dial-Ups lassen dreimal eine falsche Eingabe zu,
dann wird der Benutzer automatisch mit einem Operator
verbunden. Auch hier in Deutschland gibt es mit der Einführung
der T-Card eine solche Callingcard. Diese wird jedoch wenig
frequentiert da die deutsche Telekom im internationalen
Vergleich zu teuer ist.
Angriffe auf Callingcards
Natürlich war man bei der Masse der zur Verfügung stehenden
Karten schon immer sehr bestrebt diese zu phreaken. Zunächst
einmal ist es wichtig zu wissen, daß sich die Kartennummer aus
der Telefonnummer des Inhabers ableiten läßt und nahezu
identisch mit dieser ist. Das einzige Problem besteht also in
der Beschaffung der zur Karte gehörenden Geheimnummer. Um diese
herauszufinden kann man die automatischen Dial-Ups benutzen.
Phreaker setzen dazu Scanner Programme ein, die die Dial-Ups
anrufen und zu einer Kartennummer dreimal eine Geheimnummer
ausprobieren. Danach legt sie Software automatisch auf, um
nicht mit einem Operator verbunden zu werden. Nun wird erneut
angerufen und die nächsten drei möglichen Geheimnummern
ausprobiert. Da die Fehleingaben nirgendwo gespeichert werden,
hat man quasi unendlich viele Versuche zur Verfügung. Bei der
nur 4-stelligen Geheimnummer beträgt die Ausbeute einer Nacht
in der Regel eine bis drei Geheimnummern. Eine wesentlich
elegantere Lösung des Geheimnummernproblems bot sich an, als
man herausfand, daß die Geheimnummern aus der Kartennummer mit
einem recht simplen Algorythmus berechnet wurde. So kam es
dazu, daß die Szene bald mit Callingcard-Generatoren überflutet
wurde. In den folgenden Monaten mußten die
Telefongesellschaften diese Nachlässigkeit teuer bezahlen.
Daraufhin änderte man den Verschlüsselungsalgorythmus der
Geheimnummer und gab neue Nummern an alle Karteninhaber aus.
Trotzdem wird auch heute noch die Geheimnummer aus der
Kartennummer berechnet. Dieser Algorythmus ist zwar für den
Laien nicht mehr nachzuvollziehen, stellt aber für einen
Cryptoanalytiker keine Herausforderung dar.
Abwehr des Callingcard Mißbrauchs
Allein aufgrund des Funktionsprinzips von Callingcards gibt es
für den Anbieter wenig Möglichkeiten einem Mißbrauch
entgegenzuwirken. Man beschränkte sich daher bei den großen
amerikanischen Gesellschaften darauf, den Leistungsumfang einer
solchen Karte einzuschränken. Eine Einschränkung ist das
Kostenlimit. Übersteigen die Kosten ein festgelegtes Limit so
wird der Anrufer automatisch mit einem Operator verbunden, der
sich die Karte noch einmal verifizieren läßt. Eine weitere
Einschränkung ist die Verminderung der zur Verfügung gestellten
Leitungskapazität. So kann immer nur eine Verbindung über die
Karte aufgebaut werden. Versucht man gleichzeitig eine zweite
Verbindung aufzubauen, wird die Karte automatisch gesperrt.
Außerdem läßt das System keine unnötigen Anrufe mehr zu. Man
kann zum Beispiel keine Verbindung von Deutschland nach
Deutschland aufbauen.
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mit dankbaren Grüßen
Andreas (Unki)
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