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Kometen
FAQ der WISSEN.GER, No.2
Aufgestellt am: 1.August 1994
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Inhaltsverzeichnis
1. Kapitel Was ist ein Komet?
2. Kapitel Woher stammt das Wort Komet?
3. Kapitel Wo kommen die Kometen her?
4. Kapitel Wie ist ein Komet aufgebaut?
5. Kapitel Wie lang leben Kometen?
6. Kapitel Wie werden die Kometen entdeckt?
7. Kapitel Wie werden die Kometen benannt?
8. Kapitel Wie erforscht man Kometen?
Quellen:
Blockhaus-Enzyklopaedie
Das Sonnensystem, Joachim Guertler, Johann Dorschner ISBN 3-335-00281-4
dtv-Atlas zur Astronomie, Joachim Herrmann ISBN 3-423-03006-2
Cambridge Enyklopaedie der Astronomie ISBN 3-572-03667-4
Die Physik des Sonnensystems und der Kometen, Wolfgang Kundt ISBN 3-416-04006-6
1. Was ist ein Komet?
  
Ein Komet ist ein kleiner Himmelskörper unseres Sonnensystems.
In Sonnenferne erscheinen die Kometen wie kleine Planetoiden.
Wenn sie sich der Sonne annähren, bilden sie zuerst die als
Koma, bezeichnete Gashülle, die sich um den festen Kometen-
kern legt. Dann bilden sie den Kometenschweif, das auffälligste
Merkmale der Kometen.
Kometen mit einer Umlaufbahn von mehr als 100 Jahre werden
langperiodische Kometen genannt, die mit einer kürzeren
Umlaufbahn kurzperiodische Kometen.
Im Altertum glaubte man daran, dass Kometen Vorboten fuer Not,
Krieg und Katastrophe waren. Aristoteles fasste Kometen als
atmosphärische Verbrennungserscheinungen auf. Erst im 17.Jh.
wurde man sich bewusst, dass Kometen Himmelskörper gleich den
Planeten sind. Der erste Komet, dessen Bahn berechnet und dessen
Rückkehr vorhergesagt wurde, war der berühmten Halley-Komet.
2. Woher stammt das Wort Komet?
  
Das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet "Behaarte",
"Haartragende" (weil der Schweif mit einem Haarbueschel verglichen wurde).
Ursprünglich stammt das Wort von Kome (Haare).
3. Wo kommen die Kometen her?
  
Man hat lange Zeit die Bahnen der Kometen erforscht und ist Dabei
folgende Gesetzmaessigkeiten gestossen:
1). Die meisten Kometen laufen auf einer (wenn auch sehr exzentrischen)
Ellipsebahn. Dies deutet darauf hin, dass die Kometen zu
Objekten des Sonnensystems gerechnet werden. Man vermutet, dass
auch die Kometen, die auf einer Parabel- oder Hyperbelbahn laufen,
ursprünglich eine Ellipsebahn besessen haben. Durch den Einfluss
ferner Sterne oder äusserer Planeten haben diese Kometen ihre
elliptische Bahn verlassen. Man vermutet, die Kometen ursprünglich
in eine Entfernung von etwa 1-2 Lichtjahren die Sonne umkreisten.
Durch die Gravitationswirkung der Sonnennachbarsterne geraten einige
dieser Körper in eine instabile Bahn, wodurch sie in die Nähe der
Sonne gelangen. Man schätzt, dass die Zahl dieser "Urkometen" um
die 10^11 betragen muss, da es sonst nicht zu erklären wäre,
wieso jedes Jahr 10-30 und mehr Kometen ins innere Sonnensystem
eintauchen. Man kann also ruhig von einer Kometenwolke um die Sonne
sprechen. Diese Wolke nennt man auch nach ihrem Postulierer Oortscher
Wolke.
2). Ferner stellt man fest, dass die Bahn der Kometen nicht
zufällig ueber den Himmel verteilt sind, sondern seit einem
Jahrhundert ist bekannt, dass ueber 60% der Kometen
ihren Sonnennächsten Punkt dort haben, wo die Sonne sich
hinbewegt. Die meisten Kometen ueberholen also die Sonne in
ihrer Bewegung um das galaktische Zentrum, machen vor ihr
eine Kehrtwendung und rauschen wieder in die Tiefe des Alls.
Auch dies spricht dagegen, dass die Kometen aus interstellarem
Raum kommen sollen. Weiterhin zeigt sich, dass die meisten
Kometen aus der Richtung kommen, die zur galaktischen Ebene
zeigt. Wegen dieser Anzeichen vermutet man, dass die Kometen
dichte Ansammlungen interstellaren Staubes darstellen. Waehrend
sich die Sonne längs ihrer Bahn in der Galaxis bewegt, durchquert
sie von Zeit zu Zeit riesigen Gas-Staub-Wolken, die in der Nähe
der galaktischen Ebene zahlreich vorhanden sind. Die Gravitationskraft
der Sonne bewirkt dann, dass das Staub zusammenballt und zu
Kometenkörper in der Oortschen Wolken werden. Kurzperiodische
Kometen haben ihre Bahn wahrscheinlich durch die Störung der
grossen Planeten, v.a.Jupiter erlangt.
4. Wie ist ein Komet aufgebaut?
  
Der Komet setzt sich aus drei Bereichen zusammen: der Kern,
das Koma und der Schweif. Die hauptsächliche Bestandteile
des Kometen sind Staub und Eispartikel. Ein grosser Teil der
Eispartikel ist Wassereis. Es kommt dann noch Eis anderer
interstellaren Gasen hinzu: Ammoniak (NH3), Methan (CH4),
Dicyan (C2N2) oder Kohlenmonoxid (CO).
Der Kern eines Komets hat ein Durchmesser zwischen 1 und 100
km und wiegt 100 Millionen bis 10 Milliarden Tonnen (letztere
ist etwa ein Billionstel der Erdmasse). Er reflektiert nur etwa
2-4% des Lichts, das auf ihn trifft, was darauf hindeutet, dass
er recht schmutzig ist ("schmutziger Schneeball").
Wenn ein Komet ins innere Sonnensystem gelangt, wird er vom
Sonnenlicht erwärmt (dieser Vorgang tritt erst ein, wenn der
Komet bei Jupiter angelangt ist). Die Gase verdampfen und bilden
um den Kometen eine Gaswolke, welche ihn diffus erscheinen laesst.
In diesem Zustand werden die meisten Kometen entdeckt. Die als
Koma bezeichnete Gashuelle misst etwa 10.000 bis 100.000 km im
Durchmesser. Die Dichte der Gaswolke ist jedoch sehr sehr niedrig.
(Etwa 10.000 bis 1 Million Molekuele pro Kubikzentimenter. Die
Erdatmosphaere ist an der Erdoberfläche mehr als 10^13 Mal dichter!)
In Koma werden vor allem einfache chemische Verbindungen aus C, N, H,
O wie CO, CN, C2, C3, CH, NH, NH2 und OH gefunden, aber auch Eisen-,
Nickel- und Natriumpartikel. Die Moleküle werden vom Sonnenlich zur
Lichtemission stimuliert, ähnlich dem Prinzip einer Neonroehre.
Beobachtungen per Erdsatelliten zeigen, dass das Koma eines
Komets von einem riesigen Wasserstoffkorona umgeben ist.
Wenn ein Komet sehr nah an der Sonne herankommt, treten die
Bestandteile des Koma in Wechselwirkung mit dem Sonnenwind
und bilden den Schweif. Der Schweif kann ueber 100 Millionen
km lang und einige Millionen km breit werden. Es gibt drei
verschiedene Schweiftypen:
Typ I zeigt sich schnurgerade von der Sonne weg. Er besteht aus
ionisierten Gasmolekuelen, die vom Sonnenwind weg gedrueckt werden.
Typ II ist meist etwas krummer als Typ I Schweif. Er besteht
Staubpartikeln, die vom Strahlungsdruck des Sonnenlichtes
beschleunigt werden.
Typ III, der Gegenschweif, der zur Sonne zeigt, wird sehr selten
gesehen. Dieser Schweif besteht aus Staub und wird nur unter einem
bestimmten Winkel gesehen. Die Dichte des Schweifs ist noch kleiner
als die des Komas. In einem Kubikzentimeter findet man gerade 10
bis 100 Molekuele. Dies ist etwa 1/1000 der Dichte, die man heute
auf der Erde im Labor herstellen kann.
5. Wie lang leben Kometen?
  
Die Lebensdauer eines Kometen hängt von 4 Fakoren ab: von
seiner Masse, von seinem Aufbau, der Dauer der Sonneneinstrahlung
und der Stärke der Sonneneinstrahlung.
Die nicht periodischen Kometen tauchen nur einmal im Sonnensystem auf,
aus diesem Grund kann man ihre Entwicklung nicht
mitverfolgen. Die kurzperiodische Kometen verlieren bei jedem
ihrer Sonnendurchgänge an Gas und Staub, daher nimmt ihre
Aktivitaet deren und Helligkeit ständig ab. Je nach Ausgangsgrösse
verlieren die Kometen bei jedem ihres Sonnendurchgangs 0,2 bis 0,03%
ihrer Masse.
Die Staubteilchen breiten sich entlang der Kometenbahn aus.
Wenn die Erde diese Schwamm aus Staubteilchen kreuzt, treten
vermehrt Meteoren auf, welche aus einem Radiant austreten.
Man nennt dieses Phenomen Meteorstrom. Heute werden fuer die
meisten Meteorstroeme deren Ursprungskometen gefunden.
Der Kern eines Kometen verliert seine Aktivitaet, wenn alle
Gase verflüchtigt sind. Einigen entwickeln sich zu Planetoiden. Es wird
vermutet, dass die Planetoiden der Apollon-Gruppe
verdampfte Kometenkerne sind. Die Planetoiden dieser Gruppe haben alle einen
recht kleinen Durchmesser, bewegen auf extrem exzentrischen Bahnen, die auch
die Erdbahn kreuzen und somit eine Gefahr fuer die Erde darstellen.
Es gibt auch Kometen, die sich wie Planetoiden verhalten. Zum Beispiel der
Komet Encke, der sich auf einer stabilen, ähnlich der Apollon-Gruppe,
bewegt; oder der Komet Arend-Rigaux, der kaum noch
Aktivität zeigt. Es wird vermutet, dass einige Kometenkerne
sich am Ende einfach auflösen.
6. Wie werden die Kometen entdeckt?
  
Es gibt sowohl bei Berufsastronomen als auch unter Amateuren
Menschen, die sich darauf spezialisiert haben, Kometen zu
entdecken: Die Kometenjäger. Die Kometenjäger sind sehr
geduldige Menschen, die Nacht fuer Nacht den Himmel mit ihren
Feldstecher durchforsten. Auf Grund der günstigen Lage und
der Wetterbedingungen haben bislang besonders die australischen
und die amerikanischen Kometenjäger Erfolg. In Deutschland gibt
es eine Kometen-Arbeitsgruppe in der Amateur-Vereinigung VdS
7. Wie werden die Kometen benannt?
  
Ein Komet erhält einem provisorischen Namen mit der Jahreszahl
seiner Entdeckung und einem Buchstaben in Folge, wie z.B. 1994a,
1994b, etc. Im Jahr 1987 reichten zum ersten Mal in der Geschichte
die Buchstaben nicht mehr aus, woraufhin eine Zahl dahinter gesetzt
wurde, nach 1987z folgten 1987a1 und 1987a2.
Die Familiennamen der Entdecker werden ebenso auf die Kometen
übertragen, welche die geläufigen Namen sind, die in der
Presse erscheinen. Bei gleichzeitiger, unabhäniger Entdeckung
kann der Komet einen Doppel- oder gar Dreifachname erhalten.
Entdeckt ein Mensch mehr als einen Kometen, folgt hinter dem
Namen eine Zahl, wie z.B. Shoemaker-Levy 9, d.h.der neunte
Komet, der von den beiden Kometenjäger entdeckt wurde. Im Jahr
1983 erhielt zum ersten Mal ein Komet den Namen eines Satelliten
(IRAS, InfraRed Astronomy Satellite).
Wenn die Bahn des Kometen feststeht, erhält der Komet einen
endgueltigen Namen. Dieser Name besteht aus einer Jahreszahl,
den Jahr, in dem der Komet seinen sonnennächsten Punkt durchschreitet und
eine lateinische Ziffer, die die Reihenfolge des
Durchgangs zeigt, z.B. 1994I, 1994II, etc.
8. Wie erforscht man Kometen?
  
Kometenforschung ist eins der Gebiete in der Astronomie,
in dem die Amateuren immer noch grosse Beiträge leisten
können. Viele Kometen werden von Amateuren entdeckt. Die
Möglichkeit, Kometen zu erforschen und damit aktiv zur
Astronomie beizutragen, ist vielfältig. Im Jahr des Halley-Rückkehrs,
1986 riefen die Fachwelt die Amateurastronomen auf
einen ununterbrochenen Beobachtungsring zu bilden. Viele
Staaten errichteten Koordinationsstellen, um die Daten der
Amateure zu sammeln und weiterzuleiten. Positionsbestimmung
der Amateure wurden herangezogen, um die Bahn der Raumsonden
zu korrigieren.
Helle Kometen kann man mit kleinen Teleskopen, Feldstechern,
oder gar blossen Augen schon beobachten. Die Erscheinung der
Kometenschweife und des Komas erfolgt unter Umstaenden sehr
schnell. Plötzlich auftauchende Helligkeitsschwankungen,
Farberscheinungen, Struckturänderungen in Schweife und Koma,
Jets liefern nicht nur Hinweise für den Aufbau des Kometen,
sondern auch Hinweise fuer den um den Kometen herrschenden
Sonnenwind. Diese Änderungen können mit unter sehr schnell
auftauchen und verschwinden, daher ist es auch wichtig, den
Zeitpunkt der Änderung festzuhalten (bis auf Minuten genau).
Man kann diese Beobachtungen als Notizen aufschreiben, oder in
Zeichnungen bzw. photographisch festhalten.
Die Helligkeitsschwankungen eines Kometen kann man ferner mit
Helligkeitsmessgeräten quantitativ messen. Die Bestimmung
der Helligkeit der Schweife erfordert jedoch recht aufwendig
gebaute Geräte. In diesem Zeitalter, in dem zunehmend auch
Amateure Zugang zu Geräte wie CCD-Kameras finden, wagen sich
auch immer mehr Amateurastronomen an diese, früher den
Berufsastronomen vorbehaltene, Gebiete ran.
Um die chemische Verbindungen eines Kometen von der Erdoberfläche
aus zu beobachten, muss man mit einem Spektrometer
das Licht des Kometen analysieren. Je nach dem, welche Moleküle,
Ionen, in dem Kometen vorhanden sind, tauchen im
Spektrum des Kometen verschiedene Absorbtionslinien auf. Die
Doppler-Verschiebung der Linie geben ferner Hinweise für die
Bewegungsgeschwindigkeit und Richtung der Teilchen in Koma
oder Schweif.
Je nach Struktur und Verteilung der Gasmoleküle in Koma oder
Schweif, sowie den Winkel Sonne-Komet-Erde, treten unterschiedliche
Polarisierung des Kometenlichtes auf. Mit einem
Ellipsometer oder einem Polarisationsfilter am Teleskop kann
man dieses Phänomen beobachten. Die gewonnenen Daten geben
ebenfalls Rückschluesse für die Struktur des Kometen. Mit
zunehmenden technischem Vorschritt wird auch dieses Gebiet
heute zunehmend von Amateuren erschlossen.
Mit Satelliten kann man Kometen auch in anderen Spektralbereichen
beobachten, die früher wegen der atmosphärischen
Absorption für erdgebundene Messgeräte unmöglich gewesen
waren. Im Jahr 1983 entdeckte zum ersten Mal ein künstlicher
Satellit (IRAS) einen Kometen (IRAS entdeckte in seinem knapp
ein Jahr dauernden Leben mehrere Kometen und wurde damit einer
der schärfsten Konkurrenten der erdgebundenen Kometenjäger).
Bei der Beobachtung des Shoemaker-Levy 9 spielte der Weltraum-Teleskop
eine entscheidende Rolle.
Als im Jahr 1986 der Halley-Komet sich wieder der Sonne
näherte, starteten NASA, die damalige Sowjet Union, Japan
und ESA Sonden, die den Kometen "hautnah" erforschten. An Bord
führten sie nicht nur herkömmliche Messgeraete wie Photoaparat,
Spektrometer, sondern auch Massenspektrometer, Magnetometer mit,
um die Bestandteile und das Magnetfeld um den Kometen direkt zu
messen.
Es gibt kaum ein anderer Himmelskörper, der mehr Phantasie
und Neugier bei den Menschen erregt hat. Auch wenn der mystische Nebel
um den Kometen immer mehr dahin schwindet, wird
die anziehende Schönheit dieser vielfältigen Himmelskörper
nicht vergehen. Und der Traum, seinen Namen auf den Schweif eines
Kometen zu binden, der das All durchkreuzt, welch ein
ernstzunehmender Amateur hat diesen Traum nicht gehabt?
  
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Andreas (Unki)
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