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Radar
FAQ der WISSEN.GER
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Inhaltsverzeichnis
1. Was ist ein Radar?
2. Wie wurde Radar erfunden?
3. Was kann man mit einem Radar machen?
4. Wie funktioniert ein Radar?
5. Wie wird ein Radar gebaut?
6. Welche Frequenz benutzt man fuer Radar?
7. Wie breitet sich eine Radarwelle aus?
8. Was reflektiert Radarwellen?
9. Welche Form reflektiert Radarwelle am besten?
10. Warum ist es schwieriger, erdnahe Objekte mit Radar zu detektieren?
11. Warum kann Radar trotzdem Signale empfangen, wenn die
radarwellenreflektierende Flaeche nicht senkrecht zur Radarwelle steht?
12. Wie wird ein Radarsender gebaut?
13. Wie wird eine Radarantenne gebaut?
14. Warum kommt es nicht zu Störungen, wenn ein Radar mit der selben
Antenne sowohl sendet aus auch empfaengt?
15. Wie wird ein Radarempfänger gebaut?
16. Wie wird ein Radaranzeiger gebaut?
17. Was macht man gegen Rauschen?
18. Was macht man gegen Hintergrundsignale?
19. Wie macht man mit der automatischen Objekterkennung?
20. Wie detektiert man die Geschwindigkeit des Ziels?
21. Was ist ECM?
22. Was macht man gegen ECM?
23. Wie funktioniert der B2-Bomber?
-----------------------------
Wenn nicht ausdruecklich gesagt, stammen die Daten aus dem Buch
"Principles of Modern Radar" (ISBN 0-442-22104-5)
1.Was ist ein Radar?
  
Quelle: Mails von Peter Ludwig
Radar war ursprünglich ein Code-Name von der amerikanischen Marine
im Zweiten Weltkrieg, das Wort steht ursprünglich für die
Abkürzung: Radio Aircraft Detecting And Ranging. Also Radio Flugzeug
Entdeckung und Ortung. Später wurde Aircraft weggelassen, da das Gerät
offensichtlich mehr als nur Flugzeug entdecken und orten kann.
2. Wie wurde Radar erfunden?

1886:
Heinrich Hertz demonstriert, dass Radiowellen sowohl von Metall als auch von
Isolatoren reflektiert werden können.
1903:
Hulsmeyer (deutscher Engieur) detektierte von Schiffe reflektierte Radiowellen.
1922:
Marconi machte einem Vortrag im Institute of Radio Engineers (heute Institute
of Electrical and Electronics Engineers) über die Nutzung von Kurzwellen zur Objektortung.
1922:
Tylor und Young, die bei Naval Research Laboratory (NRL) tätig
waren, detektierten Holzschiffe mit einem CW Radar mit 5m Wellenlänge.
1930:
Hyland (NRL) detektierte mit einem CW Radar Flugzeuge
1934-1936:
Sir Watson-Watt (Grossbritannien) und Page (NRL) demonstrierten Impulsradar.
Spät dreissiger Jahre:
Verstärkte Forschung von Radar in USA und Grossbritannien. Vorbereitung fuer
den Zweiten Weltkrieg.
1940:
Britische Wissenschaftler demonstrierten Magnetron.
November 1940:
Aufbau des Radiation Laboratory in Massachusetts Institute of Technology (MIT).
Am Anfang waren nur 40 Wissenschaftler (meistens Physiker) in diesem Labor tätig.
Gegen Ende des Krieges waren 4000 Wissenschaftler darin beschäftigt. Nach
dem 2. Weltkrieg wurde von diesem Labor ein 28-bändiger Wälzer über Radar
und zusammenhängende Themen herausgegeben.
Nach dem Krieg wurde Radar-Technik weiter vervollkommnet und findet in
weiten Felder Anwendungen.
3. Was kann man mit einem Radar machen?
  
Radar werden heute vielfältig verwendet. In der Luft- und Schiffahrt
sind Radar unverzichtbare Ausstattung geworden. Mit Radar vermeiden
Schiffe bei Nebel Kollisionen. Flugzeuge werden beim Start oder bei der
Landung von Radar geleitet. Radar werden auch in vielen anderen zivilen
Bereichen verwendet. In der Meteorologie verwendet man Radar um
Wolkenformationen zu detektieren, um Unwetter vorherzusagen und evtl.
Gegenmassnahmen zu ergreifen. Viele Erderkundungssatelliten sind mit Radar
ausgestattet. Sie untersuchen Erdformationen oder Meeresoberflächen. Mit
Radar erkundeten Astronomen Venus und Planetoiden.
Radar ist eine militärische Erfindung und wird auch immer neu vom
Militär vervollkommnet. Mit Radar werden militärische Objekte
(Flugzeuge, Raketen, Schiffe) überwacht, mit Radar werden Raketen
zum Ziel gelenkt, etc.
4. Wie funktioniert ein Radar?
  
Quelle: Mail von Thomas Papenbrock
Ein Radargerät ist vergleichbar mit dem Echo auf dem Königssee
(oder sonstwo). Wenn Du also diese sündhaft teure Fahrt auf dem
Königssee machst, bleibt das Boot irgendwann stehen, um die Touristen
abzukochen. Irgendjemand trötet dann in der Gegend rum, und Du hörst
dann das Echo. Wenn Du also z.B. hustest und die Zeit stoppst, bis Du
das Echo hörst, diese mit 330 multipliziert (Ausbreitung des Schalls 330
m/s in Luft) und durch 2 teilst (hin und zurueck), ist das Ergebnis die
Entfernung zur Reflektionsfläche. Die Physik hält fuer solche Fälle
immer eine passende Formel bereit. In diesem Falle:
Weg s
Geschwindigkeit = ----- ; v = --- oder s = t * v
Zeit t
Angenommen Du stoppst eine Zeit von 2 Sec. (vom Husten bis zum Echo)
dann:
2s * 330 m/s
Entfernung = ------------- = 330 m
2 =====
Das ist das Radar-Prinzip.
Damit der arme Radar-Bediener nicht immer husten muss und das ganze ein
bischen schneller vonstatten geht, hat der liebe Gott die elektro-
magnetischen Wellen erfunden.
Die Ausbreitungsgeschwindigkeit der el. Welle ist so ungefaehr 300 000 Km/s.
Du kannst hierfuer die gleiche Formel wie oben einsetzen:
2 * Entfernung zum Ziel 2 * s
Laufzeit = ------------------------ ; t = ------
Lichtgeschwindigeit c
5. Wie wird ein Radar gebaut?
  
Die vier wichtigsten Komponenten eines Radars sind der Sender, die Antenne,
der Empfaenger und der Anzeiger.
6. Welche Frequenz benutzt man fuer Radar?
  
Quelle: IEEE Standard 521-1976, 30.Nov.1976
Band Frequenzbereich Nutzung
HF 3-30MHz OTH (Over the horizon) Ueberwachung
VHF 30-300MHz Sehrlangstrecke Ueberwachung
UHF 300-1000MHz Sehrlangstrecke Ueberwachung
L 1-2GHz Langstrecke Ueberwachung
En route Verkehrskontrolle
S 2-4GHz Mittelstrecke Ueberwachung
Terminal Verkehrskontrolle
Langstrecke Wettererkundung
C 4-8GHz Langstrecke Verfolgung
Flugzeuggestuezte Wettererkundung
X 9-12GHz Kurzstrecke Verfolgung
Raketenlenkung
Kartenerstellung, Marine Radar
Flugkoerperabfang
Ku 12-18GHz Hochaufloesende Kartenerstellung
Satelliten
K 18-27GHz Wenig genutzt, da von Wasserdampf
absorbiert
Ka 27-40GHz Sehrhochaufloesende Kartenerstellung
Flughafenueberwachung
Milli- 40-100+GHz Versuchsanwendung
meter Wellen
7. Wie breitet Radarwelle aus?
  
Normalerweise breitet sich eine Radarwelle wie Lichtwelle aus, das heisst, sie
laufen entlang einer geraden Linie. Jedoch kann eine Radarwelle, genau wie
eine Lichtwelle, durch Dichteaenderung der Luft gebogen werden. Ausserdem
werden Radarwellen oft vom Boden reflektiert.
8. Was reflektiert Radarwellen?
  
Radarwellen können von ziemlich allem reflektiert werden. Wo immer
eine Grenzschicht herrscht, wird ein Teil der Radarwellen reflektiert,
ein anderes Teil gebrochen, wie das Licht an einer Wasseroberfläche.
Radarwellen werden ausserdem von der Ionosphaere reflektiert.
9. Welche Form reflektiert Radarwelle am besten?
  
Je mehr Fläche ein Objekt zur Reflektion von Radarwellen hat, desto
besser reflektiert sie. Eine Ebene zum Beispiel reflektiert besser
als ein Zylinder oder eine Kugel. Am schlechtesten reflektieren Objekte
mit spitzen Ecken oder Kanten, wie zum Beispiel ein Kegel.
10. Warum ist es schwieriger, erdnahe Objekte zu detektieren?
  
Dank der Reflektion der Radarwellen durch die Erdoberfläche kann das Radar
nahe der Erdoberflaeche eigentlich eine groessere Reichweite haben als
hoch in die Luft. Die Radarwelle kriecht sozusagen am Boden. Allerdings
ist dieses Phänomen nur schwer zu verwenden. Erstens reflektieren Bäume,
Gebäude, Hügel und andere Objekte das Radarsignal und verstecken
das eigentliche Ziel. Zweitens ist die Luft in Bodennähe auch etwas
turbulenter, an der Grenze unterschiedlicher Luftdichte und -temperatur
kann die Radarwelle gebogen werden. Die Radarwelle wird zudem oft mehrfach
vom Boden reflektiert, was die Interpretation der empfangenen Signale
zusätzlich erschwert.
11. Warum kann Radar trotzdem Signale empfangen, wenn die
radarwellenreflektierende Flaeche nicht senkrecht zur Radarwelle steht?
  
In der Schule haben wir in Physik gelernt, dass bei der Reflexion
der einfallende Winkel dem ausfallenden Winkel gleicht. Demnach wird
das Signal nur dann zum Sender zurueckgeworfen, wenn die Reflexionsfläche
senkrecht zur Radarwelle steht. Dies trifft aber nur für die
Reflexion zu. Die Radarwelle wird aber nicht nur reflektiert. Die
Radarwelle wird auch gebeugt. Beugung ist ein ähnliches Phänomen wie
Reflexion, der Unterschied ist, dass sich die gebeugte Welle in alle
Richtungen verbreitet. Beugung tritt immer dann auf, wenn die
Wellenlaenge der einfallenden Welle in der Grössenordnung der Kantenlänge
oder des Durchmessers der Reflexionsfläche liegt. Radar
operieren meistens bei einer Wellenlaenge von einigen Metern und
einigen Zentimetern (siehe Frage 6 - Frequenzen),
daher sind sie besonders geeignet für Ortung von Fahrzeugen, Flugkörpen
oder Schiffen.
12. Wie wird ein Radarsender gebaut?
  
Ein Radarsender wird genau so aufgebaut, wie ein normaler Radiosender.
Die drei wichtigsten Blöcke eines Senders sind der Oszillator, der
Verstärker und der Modulator. Der Oszillator erzeugt die Trägerfrequenz
des Signals. Der Modulator überlagert auf der Trägerfrequenz
ein Signal (meistens pulsfoermig). Der Verstärker schliesslich pumpt
genug Energie fuer das Signal, damit es auch genügend weit gesendet
werden kann. Die früheren Sender haben keinen Verstärker; daher muss der
Oszillator in der Lage sein, Signale hinreichender Leistung zu erzeugen.
Der älteste Oszillator ist der sogenannte Magnetron. Durch magnetische
Induktionen wird ein starkes schwingendes magnetisches Feld in einem
Hohlraum in der Mitte des Gerätes erzeugt. Das Magnetfeld wird dann
von einem Hohlleiter zur Antenne geleitet. Heute wird als Oszillator
immer heufiger Halbleiterbauelemente (Gunn-Elemente,Lawinendioden)
verwendet, da der Oszillator nicht mehr die Sendeleistung
aufzubringen braucht. Die Halbleiterbauelemente sind im Vergleich zu den
elektromagnetischen Geräten kleiner und zuverlässiger und können auch
höhere Frequenzen erreichen. Als Verstärker wird heute meistens immer
noch eine Vakuumröhre verwendet. Je nach ihrer Ausführung werden sie
Klystron, TWT (Traveling-Wave Tubes) oder so ähnliche genannt. Im Prinzip
funktionieren sie immer gleich: ein gesteuerter Elektronenfluss erzeugt
ein starkes elektromagnetisches Feld, das sich mit dem Strom ändert.
Die neueste Entwicklung fuer Verstärker ist die sogenannte Gyrotron.
Natürlich sind die Modulatoren auch sehr wichtig. Die Pulslänge soll
genügend klein sein, die Zuverlässigkeit und Wirkungsgrad möglichst
hoch. Die Kosten möglichst niedrig. Verwendet werden heute sowohl
Modulatoren aus Röhren als auch aus Halbleitern (Shunt-Diode).
13. Wie wird eine Radarantenna gebaut?
  
Für Radar ist es wichtig, dass die Antenne eine schmale Sende- und
Empfangsrichtung hat. Verwendet wird eine parabolische Antenne (wie die
Sat-Schuessel) oder ein Antennenfeld (mehrere parallelstehende Antennenmasten
neben einander). Heute werden hochkomplizierte Programme verwendet, um
eine Antenne zu berechnen.
14. Warum kommt es nicht zu Störungen, wenn ein Radar mit der selben
Antenne sowohl sendet aus auch empfaengt?
  
Direkt hinter der Antenne gibt es ein Gerät, das Zirkulator heisst.
Ein Zirkulator hat drei Anschluesse (auch Tore genannt), wobei das
Eingangssignal des ersten Tors zum Ausgangssignal des zweiten Tors
gereicht wird, das Eingangssignal des zweiten Tors zum Ausgangssignal
des dritten Tors gereicht wird, usw. Daher auch der Name. Damit wird
die Empfangsschaltung und die Senderschaltung voneinander getrennt,
obwohl beide die selbe Antenna benutzen.Ein Oszillator ist meistens ein
Kristall mit nicht linearer elektromagnetischer Eigenschaft.
15. Wie wird ein Radarempfänger gebaut?
  
Ein Radarempfänger wird im Prinzip genau so gebaut wie ein Radioempfänger.
Natürlich wird hier anderer Anforderungen gestellt wie
bei einem Radioempfänger, so ist zum Beispiel fuer ein Radar seine
Empfindlichkeit sehr wichtig, deswegen wird beim Design sehr auf
Rauschen geachtet. Andere Faktoren sind zum Beispiel Grösse, Gewicht
und Kosten.
16. Wie wird ein Radaranzeiger gebaut?
  
Die meisten Radaranzeiger sind genau wie Bildschirme, nämlich
Vakuumröhren. Wobei im Fall von Radar der Elektronenstrahl anders gelenkt
wird als bei Bildschirmen, nämlich nicht horizontal und vertikal, sondern
radial (kreisfoermig). Dies erfordert eine etwas kompliziertere
Strahlsteuerung.
17. Was macht man gegen Rauschen?
  
Rauschen ist eine der grössten Probleme des Radars (wahrscheinlich der
Hochfrequenzelektronik überhaupt). Es gibt eigentlich zwei Sorte von
Rauschen. Die eine ist das Rauschen des Radars selbst. Alle elektronische
Bauelemente (bis auf die Stromleiter) erzeugen Rauschen. Dagegen kann man
bessere Bauelemente, effektivere Schaltung verwenden. Zur Not kann man
die Bauelemente tiefkühlen, was auch das Rauschen vermindert. Die zweite
Sorte ist das Rauschen, das von der Umgebung erzeugt wird. Wir kennen
das störende Geräusch im Radio oder "Schnee" auf dem Fernsehbildschirm
bei schlechtem Empfang. Gegen dieses Rauschen behilft man sich mit zweierlei.
Erstens sind diese Rauschen meistens relativ klein, man kann einen Filter
einbauen, um die schwachen Rauschsignale zu unterdrücken. Zweitens sind
diese Rauschen meistens stochastisch. Plötzlich gibt es einen grossen
Peak, und im nächsten Moment ist er weg. Durch Filter lassen auch die
meisten solchen Rauschen unterdrücken. Zuletzt gibt es immer noch
erfahrene Radaroperatoren, die Rauschen von eigentliche Signale unter-
scheiden können. Dennoch, falsche Signale bei Radar sind unvermeidbar.
18. Was macht man gegen Hintergrundsignale?
  
Bäume, Gebäude, Vogel- oder Insektenschwärme, Regen, Schnee, Wasserwellen
reflektieren Radarsignale, die das eigentliche Signal verdecken.
Um das Problem zu lösen, wird grosse Anstrengungen gemacht. So hat man
die Reflexionscharakteristik der verschiedene Terraine untersucht. Man
ermittelt die Reflexionsvermögen der verschiedene Terraine in
Abhängigkeit von der Frequenz oder vom Einstrahlwinkel, und versucht,
durch diese Charakteristik der Hintergrund zu erkennen. Bei
Festlandhintergrund bewegen sich die Signale kaum, bei Wasser hingegen
fluktuiert das Signal dagegen stark.
19. Wie realisiert man automatische Objekterkennung?
  
Die Form der reflektierten Radarwelle (Amplitude, Phase und
Frequenz) hängt mit von der Form und Groesse des Objektes zusammen. Daraus
kann man Rückschlüsse auf das Zielobjekt schliessen. Fuer besonders
interessante Objekte (wie Flugzeuge, Schiffe, Panzer etc.) werden auch die
sogenannte RCS (Radar Cross Section) polar plots angefertigt, die zeigen,
wie das reflektierte Signal eines Ziels aus welchem Winkel aussieht. Um
Fehlinterpretation und Rauschen zu vermeiden, erkennt das Radar
normaleweise ein Objekt erst dann an, wenn etwa drei bis fuenf Signale mit
der gleichen Form, Geschwindigkeit und Richtung zurückgeworfen werden.
Besonders wertvoll erweist sich die Polarisationseigenschaft des
Zielobjektes. Je nach seiner Form kann das Objekt die eintreffende
elektromagnetische Welle polarisiert zurueckwerfen. Aus dieser Information kann
man dann auf die Form des Objektes rueckschliessen.
Diese Technik ist erst vor kurzem entwickelt worden.
20. Wie detektiert man die Geschwindigkeit des Ziels?
  
Man bedient sich des Doppler-Effekts, um die Geschwindigkeit des Ziels
festzustellen. Wenn ein Objekt zum Radar bewegt, wird der spätere
Impuls etwas weniger Zeit brauchen, um von dem Objekt reflektiert zu
werden als der frühere Impuls. Das ist der sogenannte Doppler-Effekt.
Je schneller das Objekt sich bewegt, desto grösser ist die Änderung
des Impulsintervalls. Theoretisch kann man damit die Geschwindigkeit
des Ziels sehr genau bestimmen. Praktisch ist die Bestimmung wegen des
Rauschens, des Hintergrundes und der Mehrfachreflexion nicht so einfach
zu bewerkstelligen.
21. Was ist ECM?
  
ECM ist die Abkuerzung fuer electronic counter measures, also
elektronische Antimessung. Mit ECM wird versucht, das Ziel fuer Radar
unsichtbar und unbemerkbar zu machen.
Es gibt verschiedene Wege, um ECM zu verwirklichen. Eine Möglichkeit
ist die aktive Störung. Dabei erzeugt man künstlich ein Rauschen, das so
stark ist, dass es alle möglichen Signale des Radars in sich ertränkt.
Elektronische ECM wird quasi in allen Bandbreite betrieben, folgend ist
eine Liste der verwendete Band (Quelle: AFR 55-44)
Bandbezeichnung Frequenz (MHz)
Alpha 0-250
Bravo 250-500
Charlie 500-1.000
Delta 1.000-2.000
Echo 2.000-3.000
Foxtrot 3.000-4.000
Golf 4.000-6.000
Hotel 6.000-8.000
India 8.000-10.000
Juliett 10.000-20.000
Kilo 20.000-40.000
Lima 40.000-60.000
Mike 60.000-100.000
Ausser elektronische ECM kann man Köder auswerfen, um das Radar zu
verwirren. Diese Taktik ist besonders erfolgreich wenn das Objekt
verfolgt wird. Die ausgeworfene Köder kann ähnliche Signalreflexion
wie das Zielobjekt aufweisen und bewegt wegen seine Trägheit zunächst
ähnlich wie das Zielobjekt selbst, erst allmählich trennen sich die
beiden Wege. Es ist fuer das Radar sehr schwierig in diesem Fall, das
falsche Ziel mit dem richtigen zu unterscheiden.
22. Was macht man gegen ECM?
  
Grundsätzlich gilt, dass jedes Radar gestört werden kann. Was man
dagegen tun kann, ist die Störung zu erschweren.
Eine Möglichkeit (gegen die aktive Stoerung) ist das Radarsignal zu
bündeln. An die Störung von einem einzigen oder von einigen wenigen
lokalisierten Sender kommen, dann kann man durch die Bündelung des
Radarsignals die Stoerung vermindern. Das Radar wird nur dann geblendet,
wenn es genau auf die Störsender guckt, aber sonst wenig (nur durch
die reflektierte Störsignale).
Man kann das gesendete Radarsignal auch polarisieren. Da es höchst
wahrscheinlich einen Unterschied zwischen der Polarisation des Radars
und der des Störsenders gibt, kann man die Störung ausschalten, wenn man
nur in eine Richtung polarisiertes Signal auswertet.
Man kann auch versuchen, die Leistung des Radarsenders zu steigern.
Damit wird das reflektierte Signal auch staerker und aus dem allgemeinen
Rauschen hervorgehoben.
Ferner kann man die Frequenz des Radars ändern. Manche Radar fahren
mit der Zeit ein breites Frequenzbereich durch. Um solche Radar zu
stören, muss man auch eine breitfrequentige Störsender haben.
Zu allerletzt kann man das Radarsignal kompliziert verschlüsseln und
nur genau so verschlüsselt zurückgeworfene Signale auswerten.
23. Wie funktioniert der B2-Bomber?
  
Quelle: Mail von Matthias Krawen
Ich habe hier noch die PM 11/88, da ist ein Artikel ueber den
B2-Bomber drin. Ich habe das mal ein bisschen zusammengefasst:
Im Flügelinneren, der aus mehreren Schichten besteht (Radarstrahlen
schluckend im Breich von 3,5 - 20 Gigaherz), sind ungefähr daumengrosse
sechseckige Zellen, in denen sich die Radarstrahlen "auslaufen".
Der Bomber ist mit einer Farbe gestrichen, die eisenartige
Partikel (sog. Ferrite) enthält, die elektromagnetische
Wellen schlucken.
Das Triebwerk liegt vollkommen im Inneren der Maschine. Am Lufteinlass
wird der Luftstrom durch eine besondere Grenzfläche beruhigt.
Der Luftkanal ist weich gekrümmt.
Die aus dem Triebwerk austretende Luft wird bevor sie wieder
"freigelassen" wird erst gekühlt und durch "Abgas-Dissipatoren"
gejagt, wodurch sie zerstreut wird.
Der Treibstofftank ist strahlenabweisend Beschichtet.
Gesteuert wir durch Spoiler. Wird einseitig gebremst, geht der Bomber
in die Kurve. (Durch das Querruder wurde bei herkömmlichen Flugzeugen
viel reflektiert. Das Querruder ist jetzt nicht mehr vorhanden, und
das Höhenruder in den Flügel integriert)
Die Zacken an der Rückseite der Fluegel streuen die Radarstrahlen.
Insgesamt beruht die Technik auf Zerstreuung der Radarstrahlen, so
dass es beinahe unmöglich ist, den Bomber mit einer Station zu
orten.
Mit bistatischem Rader (Sender+ viele Empfänger an unterschiedlichen
Orten) ist es jedoch ev. wie bisher möglich.
Zum Vergleich:
Der B-52 hat eine Radarrueckstrahlfläche von ca. 100 m*m, die
fast ebenso grosse B-1b nur noch ein Hunderstel davon (halb
so viel wie ein Privatflugzeug vom Typ Cessna 172, mit dem
Mathias Rust auf dem Roten Platz gelandet ist). Von der B-2
wird behauptet, dass sie nur noch ein paar Quadratzentimeter
Rückstrahlflaeche aufweist, nicht viel mehr als ein Vogel.
  
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Andreas (Unki)
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